Misstrauen gegen den Kameraden

Tageszeitung „Freie Presse“ vom 11. Januar 2007

Peter Klose und der wundersame Landtagsaufstieg eines Arbeitslosen in der NPD

von Hubert Kemper

Dresden/Zwickau. Der neue Abgeordnete entsprach selbst den bescheidenen Ansprüchen der NPD-Führung nicht. Jahrelang hatte Fraktionschef Holger Apfel den Zwickauer Peter Klose am Aufstieg in seiner Partei gehindert. Doch die Skandalserie bei den Rechtsradikalen machte es möglich. Als Letzter auf der Landesliste seiner personell ausgebluteten Truppe rückte Klose in den Landtag – als Nachfolger von Matthias Paul, dessen Politik-Karriere Vorlieben für kinderpornografische Schriften im Weg standen.

Seine Generalprobe absolvierte Klose Ende vorigen Jahres. Auf der Internetseite der Zwickauer NPD hatte er den Ausflug einer zehnköpfigen Gruppe in den Landtag mit Bildern und Texten dokumentiert. Sie drücken das Glück aus, das der Neu-Parlamentarier empfindet. Zehn Tage zuvor hatte er die Nachricht vom Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit zum Aufstieg in die Volksvertretung erhalten. Mit den „Schreiberlingen des Systems“ rechnet Klose ab. Die „Freie Presse“ hatte über gelegentliche Auftritte mit Gaspistole und Gummiknüppel berichtet. “Phantasiegeschichten“, wiegelt der Zwickauer Rechtsextremist ab.

15 Tage später. Klose ist vereidigt. Sein Erscheinungsbild sei verändert, berichten Insider. „Wir haben daran gefeilt“, bestätigt NPD Sprecher Holger Szymanski. Trotz der äußerlichen Wandlung misstrauen die Kameraden dem früheren Republikaner und fürchten ungefilterte Aussprüche. Klose erhält strenge Anweisungen, Kontakte mit der Presse möglichst zu meiden.

Gut beschäftigte Hilfskraft

Die Angst vor einem weiteren Abweichler ist derzeit unbegründet. Noch genießt Klose seinen Status. Seit 1997 ist der gelernte Keramiker arbeitslos. „Mit wenig Geld habe ich zu leben gelernt“, berichtet er. Seine Tochter habe er allein erzogen. Mit 4284 Euro Grunddiäten plus diverser Zulagen sorgt der Staat nun so gut für ihn wie nie. Ein wenig bewahrheitet sich seine politische Philosophie. „Man muss zunächst an das eigene Volk denken.“ Die NPD sei dazu da, „dass weniger Geld nach außen geschoben wird.“

Kloses Welt ist überschaubar. Deutschland stehe unter dem Regiment einer Übergangsregierung, die keine Existenzberechtigung habe. „Weil sie nicht frei vom Volk gewählt worden ist“, klärt er auf. Von wem sonst? „Es handelt sich um ein eingesetztes System“, lautet die Antwort, „das gewissen Leuten hörig ist.“ Er weiß auch wem. „Die kommen alle über‘n großen Teich.“

Weitere Nachfragen wiegelt der Abgeordnete ab. Dafür berichtet er gern über seinen treuen Schäferhund „Adolf“, der im Vorjahr gestorben ist, von seiner Rolle als Spitzenkraft der rund zehn Mann starken NPD Zwickau und wehrt sich gegen das „Schmuddelimage“ der NPD. Ausweichend reagiert er jedoch, wenn die Rede auf seine Rolle als „Reichsmeldestellenleiter“ kommt.

Für seine Unterstützung hat die NPD gesorgt. Als Mitarbeiterin übernimmt er Carmen Steglich, die bisher Matthias Paul behilflich war.. Steglich ist die frühere Lebensgefährtin des tödlich verunglückten NPD-Mannes Uwe Leichsenring. Sie führt nun dessen Geschäfte als Leiterin mehrerer Fahrschulen. Warum er keinen Hartz-IV-Empfänger einstellt, will Klose nicht beantworten. Seine Fraktion hatte ihn auf diese verfängliche Frage wohl vorbereitet.

Quelle:
Freie Presse vom 11.01.2007

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • Google Bookmarks
  • MySpace
  • email