Archiv für Juni 2008

Die sogenannten »Freien Kräfte« in Zwickau

Letzte Aktualisierung am 25. Juni 2008

Die kameradschaftliche Gruppierung der »Nationalen Sozialisten Zwickau« (NSZ), verwendet wird auch die Selbstbezeichnung „Autonome Nationalisten“, trat im Sommer 2007 mit einer Internetpräsenz zunächst nur virtuell in Erscheinung. Am 22. September 2007 initiierten sie dann eine eigene Demonstration durch Zwickau und versuchen seit Dezember 2007 regelmäßig die wöchentlichen Montagsdemos zu vereinnahmen. Weiterhin werden die Mitglieder nicht selten bei rechtsextremen Aufmärschen in Mitteldeutschland gesichtet und auch Plakataktionen zu Ehren von Rudolf Hess gehören zu ihrem Aktionsfeld. Als Führungsfigur gilt, neben Daniel Peschek, der erfahrene Nazikader Thomas Gerlach.

»Freies Netz«

Für ihre Aussendarstellung nutzen die »Nationalen Sozialisten Zwickau« das Web-Portal »Freies Netz« (FN). Das FN wurde von Thomas „ACE“ Gerlach aus Altenburg und den führenden Neonazis Mike Scheffler aus Delitzsch und Tony Gentsch aus Hof als länderübergreifende Vernetzung von extremen Rechten aus Ostthüringen, Westsachsen, Süd-Sachsen-Anhalt und Nordbayern gegründet. Das Projekt ging nach langer Ankündigung am 5. Juni 2007 mit einer eigenen Internetplattform online. Innerhalb der Vernetzung wirkt Gerlach unterstützend auf bisher strukturschwache Regionen, wie beispielsweise Zwickau. Hier tritt er im Impressum der Seite auch mit seinen Kontaktdaten in Erscheinung. Das FN erreicht ein Mobilisierungspotential von 100 bis 150 Personen.

Zusammenarbeit mit der NPD

Die sich als Teil der „Freien Kräfte“ betrachtenden »Nationalen Sozialisten« arbeiten, trotz ihrer angeblichen immer wieder bekundeten Distanz zur NPD, eng mit dieser zusammen. Der Mitbegründer des »Freien Netz« Thomas Gerlach aus Altenburg gab unter seinem Pseudonym „ACE“ in einem Kommentar vom 24.09.07 auf der Homepage der NPD Zwickau die Marschrichtung vor: „Bundesweit ist die NPD ohnehin nicht in der Lage realpolitisch zu aggieren, deshalb heisst es regional und kommunal mit ihr zu arbeiten! (…) In Zwickau scheint mir das (…) sehr wohl möglich und machbar! Deshalb sind auch alle radikalen Kräfte aufgerufen, sich auch ausserhalb in die parteipolitische Arbeit einzubringen.“1 Dass dies von den jungen NSZ konsequent umgesetzt wird, zeigten die gemeinsamen Auftritte in der Öffentlichkeit wiederholt. Im Juni 2008 kandidierte der NSZ-Führer Peschek gar auf der NPD-Liste für den Kreistag.

Demonstration am 22. September 2007

Die Demonstration am 22. September 2007 durch Zwickau, vom Hauptbahnhof bis vor das Rathaus, mit ca. 220 rechtsextremen Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet war der erste öffentliche Auftritt der »Nationalen Sozialisten«. Die Anmeldung erfolgte zunächst durch Thomas Gerlach aus Altenburg. Als jedoch die Verbotsverfügung von der Stadt Zwickau drohte, sprang NPD-Klose mit seinem Landtagsmandat als neuer Anmelder in die Presche, um den Termin nicht zu gefährden. Er stellte auch sein Privatfahrzeug als Lautsprecherwagen zur Verfügung.

Seit 10. Dezember 2007 besuchen die »Nationalen Sozialisten« die allwöchentlichen Montagsdemonstrationen des „Aktionsbündnis gegen Agenda 2010 und Sozialkahlschlag“ in der Zwickauer Innenstadt. Nach anfänglicher Empörung über den „unerwünschten Demo-Zuwachs“ (Freie Presse) und einer Gegenkundgebung der Gewerkschaft auf dem Hauptmarkt, ist es um dieses Aktionsfeld der NSZ in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile ruhig geworden. Nachdem der Versuch Inhalte zu vermitteln und ihre NPD-typische „Wortergreifungsstrategie“ scheiterten, veranstalteten sie ab dem 10. März 2008 eine eigene Kundgebung in Sichtweite zur Montagsdemo. Die von Christian Bärthel angemeldete Veranstaltung, dient nun zur Verbreitung ihrer Ideologie. Aber auch diese Veranstaltung wird mittlerweile mangels Interesse und der ausgebliebenen Aufmerksamkeit nicht mehr von den NSZ besucht.

Daniel Peschek

Zweifelsfrei die aktivste Person bei den »Nationalen Sozialisten« ist der 21-jährige Daniel Peschek aus dem thüringischen Meuselwitz (bei Altenburg). Dieser schreibt die Artikel der »Freies Netz Zwickau«-Internetseite (sein Name tauchte einige Zeit auch im Impressum auf) unter dem Pseudonym »bleedtoforget« (Albumtitel der NSHC-Band »Eternal Bleeding«), tritt als Redner bei Demonstrationen auf und wirkt als Organisator. Die selbstverliebten Auftritte von Peschek arten nicht selten in eine „one-man Show“ aus. Sei es mit dem Megaphon auf Demonstrationen („Israel – Internationale Völkermordzentrale!“2) oder vom heimischen Rechner aus in der lokalen Internetcommunity »zwigge.de« („einfach rein ins räumfahrzeug bis ultimo beschleunigen und mitten rein in den zeckenmob..nehmen sich doch eh nichts..ekelhaftes faschistenpack…“3).
Die Lokalausgabe der Freien Presse vom 11. Januar 2008 widmete ihm gar einen ganzen Artikel. Dieser behandelte das Verfahren gegen „Daniel P.“ am Amtsgericht Zwickau, in dem ihm versuchte gefährliche Körperverletzung nachgewiesen wurde. Der wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung bereits verwarnte Peschek hatte am 01. Mai 2007 auf einer unangemeldeten nationalistischen Demonstration in Zeitz versucht einen Polizisten zu treten.
Am 18. Februar 2008 wurde die Wohnung Pescheks in der Bahnhofsvorstadt laut einem Bericht der Freien Presse im Zuge der Ermittlungen gegen u.a. NPD-Klose wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen von der Polizei durchsucht.
Zu den Kreistagswahlen am 08.06.2008 trat Peschek im Wahlkreis 14 (Gebiet zwischen Reichenbacher Straße/Freiheitssiedlung & Stadtteile: Brand, Neuplanitz, Hüttelsgrün, Oberplanitz, Rottmannsdorf, Cainsdorf) für die NPD an. Bei maximal drei abzugebenden Stimmen vereinte er 211 Stimmen auf sich und verpasste den Einzug in den Kreistag.

Quellen:
u.a. artthur.antifa.net, Aktionsbündnis, FP, Kooperationspartner

  1. Antwort auf den Beitrag „Wir für Zwickau!“:
    „Ace
    am 24. September 2007 um 18:16 Uhr.
    Ich denke die NPD ist nur so gut, wie sie von ihren Mitgliedern gemacht wird. Das heisst, da wo die Kräfte innerhalb der NPD mit den Kräften außerhalb der Partei übereinstimmen (programmatisch und auch aktionistisch), dort soll und muss man sie unterstützen!
    Bundesweit ist die NPD ohnehin nicht in der Lage realpolitisch zu aggieren, deshalb heisst es regional und kommunal mit ihr zu arbeiten! Ausserdem spielen dort die raktionären Tendenzen natürlich noch eine erhebliche Rolle…
    In Zwickau scheint mir das allerdings-wie in anderen westsächsischen Regionen- sehr wohl möglich und machbar! Deshalb sind auch alle radikalen Kräfte aufgerufen, sich auch ausserhalb in die parteipolitische Arbeit einzubringen.
    Mit dem Kreisverband Zwickau stehen den nationalen und sozialistischen Gruppen der Region ein Werkzeug im tagespolitischen Kampf zur Verfügung und sowohl mit Peter Kloße, als auch mit Christian Bärthel hat man fähige und langgediente Leute an seiner Seite.
    Gemeinsam für Zwickau ist also gerade dort eine treffende Parole!
    Beste Grüße aus der Skatstadt
    Ace“ [zurück]
  2. Peschek auf einer Demonstration »Nationaler Sozialisten« am 02.02.2008 in Plauen. [zurück]
  3. Peschek als „CoMeBaCk-KiD“ am 08.11.2007 in einer Antwort auf »zwigge.de«. [zurück]

Nazis werden Brüder: „Freies Netz“ und NPD

Linke Medienplattform „Indymedia“ vom 02. Juni 2008

Am 08. Juni werden in Sachsen die Wahlen der Kreistage und Landräte für die neu zu bildenden Landkreise stattfinden. Nachdem die „Freies Netz“-Nazis aus Nordsachsen (Delitzsch-Torgau-Oschatz) bereits im April ihre Kandidaten auf der NPD-Liste bekanntgaben, ziehen nun auch andere s.g. „Freie Kräfte“ aus Sachsen nach. Der bekannte Autonomen-Führer Thomas Gerlach hat in Zwickau den Anführer der „Autonomen Nationalisten Zwickau“ für die anstehenden Kreistagswahlen (Zwickauer Land) ins Rennen geschickt: Daniel Peschek. (mehr…)