Krawalle im Stadion: Neonazis statt Fussball-Chaoten

In eigener Sache – 04. November 2009

An den jüngsten Krawallen am Rande des Fussballspiels zwischen dem FSV Zwickau und der zweiten Mannschaft des FC Erzgebirge Aue waren Randalierer aus der rechten Szene maßgeblich beteiligt.

Während die sogenannten „Ultras“ zu einem gemeinsamen Treffen am Neumarkt aufriefen und sich schließlich im Block E des Westsachsenstadions positionierten, gab es einen gesonderten Aufruf zum Spiel aus der rechten Szene. Denn dieser gelten die „Redkaos-Ultras-Gruppen“ als „zu links“.

Unter dem Motto „Alle in schwarz – Macht mobil!“ wurde zum Treffen in eine Gartenkneipe an der Alten Landstraße geladen. Die Lokalität ist seit Jahren Anlaufpunkt gewaltbereiter Neonazis anlässlich von Fussballspielen mit erhöhtem Gewaltpotential und wird innerhalb der Szene als „Huhle“ bezeichnet. Dem Aufruf folgten schließlich etwa 100 Personen, die letztlich von der Polizei zum Stadion geleitet wurden und sich während des Spiels, wie bereits in der Vergangenheit, im Block A versammelten.

Aufgerufen hatte eine Vereinigung mit dem Namen „A-Block-Zwickau“. Diese steht in direkter Nachfolge der nach polizeilichen Ermittlungen aufgelösten Gruppierung „Combat Zwickau“, welche sich in ihrer Namensgebung noch direkt an die neonazistische Terrororganisation „Combat 18“ anlehnte. Damals waren unter anderem Spruchbänder, die sich gegen sogenannte „Linksfaschisten“ richten im A-Block zu sehen. Die neue Gruppe gibt sich zumindest dem Namen nach unverfänglicher. Doch ihre Anhänger rekrutiert sie nach wie vor in der rechten Szene. Federführend sind Mitglieder der Kameradschaft „Nationale Sozialisten Zwickau“. Schon ihr riesiges Transparent mit der Wehrmachtslosung aus dem Zweiten Weltkrieg „Gott mit uns“ spricht für sich.

Auf dem Internetportal „zwigge.de“ werten die Neonazis nun die Krawalle vom Freitag aus. Ähnlich den Ausschreitungen am Rande des diesjährigen Stadtfestes im August (ARTZ berichtete), wird dabei auf einem Fehlverhalten der eingesetzten Polizeibeamten beharrt. Andere kommentieren ein Video der Krawalle mit den Worten „war geil“. Auf dem Internetportal der FSV-Fans hingegen beschweren sich langjährige Stadionbesucher inzwischen über antisemitische „Judenrufe“ aus dem A-Block.

36 Ermittlungsverfahren nach Randale in Zwickau

Die Polizeidirektion Südwestsachsen hat 36 Ermittlungsverfahren nach den Krawallen beim Oberligaspiel zwischen dem FSV Zwickau und Erzgebirge Aue II eingeleitet.

Nach den schweren Ausschreitungen beim Oberligaspiel zwischen dem FSV Zwickau und Erzgebirge Aue II hat die zuständige Polizeidirektion Südwestsachsen bereits 36 Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Es wird wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, Beleidigung, Sachbeschädigung und Körperverletzung ermittelt. Die Auswertung des kompletten Videomaterials dauert noch an“, sagte Polizeisprecherin Anett Münster dem SID.

Viele Verletzte

Am Rande der Fünftliga-Partie zwischen den Teams der beiden Erzrivalen war es zu massiven Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Anhängern und der mit mehreren Hundertschaften präsenten Polizei gekommen. Dabei waren 25 Zuschauer sowie elf Polizisten verletzt worden. 54 Gewalttäter wurden vorübergehend festgenommen. Sie sollen demnächst zu Befragungen von der zuständigen AG Fußball der Polizeidirektion vorgeladen werden.

Massenschlägereien auch in Leipzig

Erst eine Woche zuvor war es im Leipziger Vorort Brandis zu schweren Fußball-Krawallen gekommen, als rechtsextreme Gewalttäter Jagd auf Anhänger des für sein linkes Fanpotenzial bekannten Achtligisten Roter Stern Leipzig gemacht hatten. Bei der Massenschlägerei wurden drei Personen teilweise schwer verletzt. Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz setzte für die Aufklärung eine 16köpfige Sonderkommission ein.

Quelle: Focus Online/ www.focus.de vom 02. November 2009

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • Google Bookmarks
  • MySpace
  • email

1 Antwort auf „Krawalle im Stadion: Neonazis statt Fussball-Chaoten“


  1. 1 Krawalle in Stadien – Erst Brandis, dann Zwickau Pingback am 02. Februar 2010 um 16:28 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.