Schiedsrichter und Kamera überführen Fußballfan

Tageszeitung „Freie Presse“ vom 23. April 2010

Gerichtsreport: Reinsdorfer muss für Beleidigungen zahlen

Zwickau. Schiedsrichter brauchen ein dickes Fell und manches Mal auch ein schlechtes Gehör. Doch wenn man mit einem vollen Bierbecher beworfen wird, ist Schluss. Vor allem wenn man sich in der Oberliga ehrenamtlich die Freizeit um die Ohren schlägt. „Da fragt man sich schon, warum man das alles macht“, sagte Zeuge Oliver L. gestern vor dem Zwickauer Amtsgericht. Der Sportstudent erstattete Anzeige, und dank Fernsehkamera war der Schuldige schnell gefasst.

Fußballfan Marcel S. war mit den Leistungen seines FSV beim Auswärtsspiel in Auerbach im Oktober 2009 so unzufrieden, dass er seinen Frust am Linienrichter ausließ. Nicht zum ersten Mal, wie sich herausstellte. „Beleidigungen scheinen ihm wesenseigen“, bemerkte Staatsanwalt Jörg Rhezak. Ebenfalls nach einem FSV-Spiel in Auerbach beschimpfte er einen Polizisten als Bastard. Ergebnis: 120 Euro Geldstrafe. Für die Beleidigung des Schiedsrichters gab es gestern weitere 30 Tagessätze obendrauf. Macht insgesamt 320 Euro, die Marcel S. von seinem Taschengeld zahlen muss.

Dass er wegen des Werfens eines Bierbechers derart bestraft wird, ist auf seinen Bekanntheitsgrad bei Gericht zurückzuführen. Denn auch wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchten Diebstahls musste der 20-Jährige schon vorm Richter antreten. Zudem ist er Jörg Rhezak durch diverse Ermittlungen im Umfeld der rechts orientierten Gruppierung Nationale Sozialisten bekannt. Zwar beteuerte er bei der Verhandlung, dass er damit nichts mehr zu tun habe. Doch die vermeintliche Vergangenheit wird ihn schon nächste Woche einholen. Mit vier seiner Kumpels hat er erneut einen Termin bei Richter Zantke. Bei einer Demonstration gegen den Laden „The Last Resort Shop“ sollen sie aus einem leer stehenden Gebäude an der Ecke Stiftstraße/Werdauer Straße Farb- und Wasserbeutel auf die Demonstranten geworfen haben. Strafbar als tätliche Beleidigung und Hausfriedensbruch. Das „Auf Wiedersehen“ von Richter Zantke ist also wörtlich zu verstehen. (cld)

Quelle:
Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Freitag, 23.04.10/ Seite 14

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