Mitarbeiter des Zwickauer Neonaziladens greift Jugendliche an

Opferberatung RAA Sachsen vom 26. Mai 2010

Von Naziläden und Hakenkreuzen als Tannenbaumschmuck.

Zwickau. „Wir wollten die Bürger und Bürgerinnen der Stadt über die Machenschaften der Mitarbeiter und die Klamotten, die im „Eastwear“ verkauft werden aufklären.“, so einer der Jugendlichen, die am vergangenen Samstag in der Kreisigstraße Infoblätter an Passant_innen verteilten.

Das Geschäft vertreibt eindeutig neonazistische Artikel, wie z.B. Kleidung und DVDs. Während der ursprüngliche Begründer des Ladens aus dem Umfeld des verbotenen „Blood an Honour“ Netzwerkes stammt, hat sich die inhaltliche Ausrichtung auch nach Betreiberwechsel bis heute nicht verändert und stellt einen wesentlichen Anlaufpunkt für die Zwickauer und sächsische Neonaziszene dar. Unter Nazis beliebte Kleidungsmarken wie „Thor Steinar“ und „Brachial“ werden hier verkauft.

Die Jugendlichen konnten nur kurze Zeit Informationsblätter über die Ausrichtung des Geschäftes verteilen. Der Betreiber des Ladens, Marco H., und Mitarbeiter Michael S. wurden auf die Jugendlichen aufmerksam und kamen aus dem Geschäft. Inhaber Marco H. schlug erst einem Jugendlichen mit der flachen Hand ins Gesicht und verletzte im weiteren Verlauf einen anderen durch einen Faustschlag im Gesicht.

Marco H. drohte damit, dass in wenigen Minuten ein „Aufräumkommando“ kommen würde. Kurze Zeit darauf trafen vor dem Geschäft weitere Personen ein, die ihrem äußeren Erscheinungsbild nach deutlich der Neonaziszene zuzuordnen waren.

Die Jugendlichen alarmierten die Polizei, die – laut deren Äußerung – zuerst die Anzeigen wegen Körperverletzung aufnahm, dann aber den Jugendlichen einen Platzverweis für den gesamten Innenstadtbereich erteilte. „Das ist doch nur ein normales Geschäft“, meinte noch einer der Polizeibeamten zu den Jugendlichen. Das Gegenteil zeigen die Rechercheergebnisse des Ladenschlussbündnisses Zwickau. Der Zusammenschluss mehrerer Vereine und Einzelpersonen klärt über die neonazistischen Artikel, welche im Laden angeboten werden, auf und fordert die Schließung des Geschäftes.

André Löscher von der Opferberatung lobt das Engagement der Jugendlichen und des Bündnisses: „Derartige Läden tragen zur Normalisierung des neonazistischen Lifestyles bei. Eine wirksame Strategie gegen neonazistische Strukturen ist, den Zugang zu szenetypischer Kleidung und Musik zu erschweren“.

Die Opferberatung des RAA Sachsen e.V. berät und unterstützt Betroffene neonazistischer und rassistischer Gewalt. „Oft folgt einem solchen Angriff eine juristische Auseinandersetzung, die die Betroffenen manchmal über einige Jahre hinweg immer wieder mit dem Angriff konfrontiert. Unsere Aufgabe ist es z. B. die Betroffenen in dieser Auseinandersetzung möglichst zu stärken und zu begleiten“, so André Löscher weiter.

Amtsgericht Zwickau

Der ehemalige NPD Landtagsabgeordnete Peter Klose musste sich gestern wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen vor dem Amtsgericht Zwickau verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, eine Losung der Waffen SS auf der Website der NPD Zwickau veröffentlicht zu haben. Die veranlasste Durchsuchung der Wohnung und Büroräume und die Auswertung der beschlagnahmten Rechner verstärkten den Verdacht der Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus brachten sie Interessantes zu Tage. So schmückte der NPD- Mann zur Weihnachtszeit seinen Baum mit Hakenkreuzen. Diese wurden ebenso liebevoll auf die Couchkissen genäht. Über der Couch hingen die Nürnberger Rassegesetze aus dem Dritten Reich.

Staatsanwalt Rzehak forderte am Ende seines Plädoyers eine Geldstrafe von insgesamt 1200,-Euro. Ein Urteil in der teilweise recht hitzigen Debatte ist am 04.06.2010 zu erwarten. Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.

Quelle:
Andre Löscher und Juliane Wetendorf/ Opferberatung RAA Sachsen/ 26.05.2010

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