Nazi-Sprüche beim FSV Zwickau

Fussball „Mitteldeutscher Rundfunk“ vom 28. November 2011

Der FSV Zwickau gerät ins Zwielicht: Während des Oberliga-Spiels am Freitagabend gegen Erzgebirge Aue II (3:0) waren im FSV-Fanblock rechtsextreme Gesänge zu hören und Transparente zu sehen. Außerdem zeigt ein Video, wie die Mannschaft in der Kabine gemeinsam „Sieg“ rief und ein Einzelner „Heil“ hinterherschickte, was mit Gelächter kommentiert wurde. Zeitgleich zu diesen Vorkommnissen hatten in der Zwickauer Innenstadt 1.500 Menschen an die Opfer der mutmaßliche rechtsextremen Neonazi-Mordserie erinnert.

Neonazis in Block A

Wie mehrere Fans versicherten, wurde während des Spiels „Terrorzelle Zwickau – olé, olé, olé“ und „NSU“ gerufen. Beides sind Anspielungen auf die inzwischen bundesweit bekannte Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Im Stadion sollen aber auch der Sprechchor „Wismut Aue – Jude, Jude, Jude“ sowie das antisemitische U-Bahn-Lied zu hören gewesen sein. Michael Voigt vom Fanprojekt Zwickau bestätigte das teilweise. „Ich persönlich habe das U-Bahn-Lied gehört. Es gab allerdings auch Fans, die sich mit deutlichen Worten dagegen gewandt haben“, sagte er dem MDR.

Nachweislich hochgehalten wurde auch ein Transparent mit der Aufschrift „Wir kleiden uns neu ein für unseren Verein“ – ein Verweis auf die Neonazi-Modemarke „Thor Steinar“, die unter anderem in mehreren Stadien verboten ist. Das Transparent war im Block des Fanklubs „Schedewitz“ gezeigt worden – dem eine vornehmlich rechte Gesinnung nachgesagt wird. Die Anhänger spielten mit dem Schriftzug wahrscheinlich auf das Sachsenpokal-Spiel am 16. November gegen Lok Leipzig (2:1) an, als das Verbot von „Thor Steinar“-Bekleidung von der Polizei konsequent durchgesetzt worden war.

Zu den Vorkommnissen am vergangenen Freitag im Sojus-Stadion ermittelt inzwischen der Staatsschutz. Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß betonte, dass das Verhalten der entsprechenden Fans dem Ansehen der Stadt weiter schade: „Ich schäme mich für solches Verhalten und entschuldige mich als Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau.“

Verein: „Brandstifter ausfindig machen“

Der FSV Zwickau äußerte sich nach den Medienberichten über die Geschehnisse geschockt. „Mit Entrüstung und Besorgnis nehmen die Aktiven und Betreuer der ersten Mannschaft sowie Vorstand und Verwaltungsrat des FSV die verbalen Entgleisungen faschistischer Gesinnung zur Kenntnis, die im Verlauf des Freitagabends während und nach dem Spiel gegen Aue II von einigen Beobachtern wahrgenommen wurden“, heißt es in einer Erklärung. Man werde die „Brandstifter ausfindig machen“, sei gegen jedwede Form des Extremismus und sei auch einem Aufruf der Oberbürgermeisterin gefolgt, um den „Aufstand der redlichen Zwickauer gegen braune Gewalt“ zu unterstützen.

Von einem Engagement des Vereins gegen Neonazis konnte Fanprojekt-Mitarbeiter Michael Voigt allerdings nicht berichten. Im Gegenteil: Der FSV, sagte Voigt dem MDR, habe nach Hinweisen von ihm über die Gefahr von Rechts eher geblockt: „Die haben zu mir gesagt, ich würde das Problem des Rechtsextremismus zu sehr aufbauschen.“

Quelle:
www.mdr.de/sachsen/chemnitz/zwickau-nazis100_zc-9dc9fc0c_zs-3d31288e.html am 28.11.2011

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