Archiv für Dezember 2011

Kampf um die Stadionkurve

Fußball Tageszeitung „Freie Presse“ vom 29. Dezember 2011

Hat der FSV Zwickau ein rechtes Problem? Diese Frage beurteilt der Verein selbst ganz anders als Beobachter der Fan-Szenen bundesweit betroffener Vereine.

Zwickau – Von wegen Weihnachtsland Sachsen! In der Gartenkneipe „Neuland“ in Zwickau-Schedewitz versprüht Plastik-Dekoration schrillen Charme zum Fest. Rentner diskutieren über Korrumpierbarkeit von Politikern. „Fast alle“ seien korrupt, weiß der eine. „Nicht fast – alle“, korrigiert sein Nachbar. Neben ihnen sitzt ein jüngerer Mann, der ein Lonsdale-Shirt unter der Jacke und das Haar millimeterkurz trägt. Kein Zufall, wie er dokumentiert. Über das ihm einmal drohende Loch bei den Renten schimpft er, über die Finanzhilfe für Griechenland und darüber, dass „von den Kanaken ja keiner was einzahlt“. Unbeabsichtigt mag er Recht haben. Warum sollten melanesische Ureinwohner von Neukaledonien im Südpazifik in deutsche Rentenkassen einzahlen? Allerdings macht die weitere Unterhaltung klar, dass er es mit Begriffen nicht so genau nimmt und Ausländer schlechthin meint. (mehr…)

Zwickau is in Germany

Zwickauer Zelle Wochenzeitung „Jungle World“ vom 8. Dezember 2011

Das Bundesland Sachsen gilt als Hochburg des organisierten Neonazismus. Die Unterzeichner des »Zwickauer Appells« sorgen sich vor allem um Sachsens Image.

Mit der Explosion einer Wohnung im Zwi­ckau­er Stadt­teil Wei­ßen­born begann am 4. November die Aufregung. Das Ereignis machte in der westsächsischen Stadt schnell die Runde, Hunderte Schaulustige fanden sich an diesem Tag hinter den Absperrungen der Polizei ein, um einen Blick auf das zerstörte Haus zu werfen. Seitdem bekannt wurde, dass die Explosion im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Selbstmord zweier Neonazis und ihrem terroristischen Treiben steht, gibt es nur noch dieses eine Thema in der Stadt. Die Rede von der »Zwickauer Zelle« oder dem »Zwickauer Trio«, das jahrelang mordend durch die Republik zog, ist auch in den deutschen Medien allgegenwärtig. (mehr…)

Die „Soli-Grüße“ des Thomas G.

Zwickauer Zelle Tageszeitung „Freie Presse“ vom 8. Dezember 2011

Einen Kronzeugen-Deal lehnt der Generalbundesanwalt ab. Doch auch wenn die mutmaßliche Terroristin Zschäpe weiter schweigt, liefert sie Spuren. Der Geburtshelfer der Zwickauer Naziszene:

Zwickau/Altenburg – Unter ihrem echten Namen war Beate Zschäpe in Zwickau kaum bekannt. Über Jahre trat sie unter Aliasnamen auf. Im Zwickauer Ortsteil Weißenborn war ihr geläufigster Name „Susann D.“, wobei das D. für den Nachnamen des aus Johanngeorgenstadt stammenden Matthias D. steht. Der 34-Jährige, der in seiner Jugend der rechtsextremen Szene angehörte, war Mieter der Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße, die er dem Terror-Trio untervermietete. (mehr…)