Archiv für Februar 2012

FSV suspendiert Spieler

Fußball Tageszeitung „Freie Presse“ vom 21. Februar 2012

Erneut hat ein Spieler mit rassistischen Bemerkungen für einen Eklat beim FSV Zwickau gesorgt. Unterdessen stehen die Ermittlungen gegen ein weiteres Mannschaftsmitglied vor dem Abschluss.

Zwickau – Das Training des Fußball-Oberligisten FSV Zwickau gestern Abend in der Neuplanitzer Sporthalle hat ohne Robin Hölzel stattgefunden. Der 18-jährige Nachwuchsspieler, der erst im Sommer vom Chemnitzer FC nach Zwickau wechselte, ist suspendiert worden, nachdem er sich im Internet abfällig über die dunkelhäutige Siegerin des Castingwettbewerbes „Voice of Germany“ geäußert hatte. Den Sieg der 19-jährigen Gymnasiastin Ivy Quainoo aus Berlin, deren Vorfahren aus Ghana stammen, soll Hölzel auf seiner Facebook-Seite in Bezug auf ihre Hautfarbe mit dem Wort „Frechheit“ kommentiert haben. Die Seite ist inzwischen gesperrt – jene Seite übrigens, die mit einem Bild von Mario Balotelli (21) illustriert war. Balotelli – zurzeit in Diensten von Manchester City – ist italienischer Nationalspieler, in Palermo geboren, dunkelhäutig und hat wie Ivy Quainoo ghanaische Wurzeln. (mehr…)

Gedenktafel entwendet

Chronik Nachrichtenagentur „dapd“ vom 20. Februar 2012

Zwickau-Marienthal. Vom Gelände des früheren Reichsbahnausbesserungswerks in Zwickau ist eine Gedenktafel für den antifaschistischen Widerstand verschwunden. Das Denkmal habe an einen illegalen Treffpunkt deutscher Antifaschisten mit überwiegend sowjetischen Kriegsgefangenen erinnert, teilten der Eisenbahn-Förderverein Westsachsen/Ostthüringen und der Bund der Antifaschisten gemeinsam mit. In dem Batterieraum des Werks sei 1942 bis 1945 Widerstand gegen das Nazi-Regime organisiert worden. Die beiden Vereine forderten die Stadtverwaltung auf, Strafanzeige wegen Gedenkstättenschändung zu stellen.

»Korpsgeist statt Aufklärungswillen«

Fußball Nachrichtenangentur „dapd“ vom 16. Februar 2012

Bei den Ermittlungen zu rechtsradikalen Gesängen von Fans des FSV Zwickau erhebt die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe, doch der Verein vertuscht die Vorgänge.

„Die Ermittlungen sind schwierig und stehen möglicherweise vor der Einstellung“, sagte Sprecherin Antje Dietsch am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Schuld daran sei auch die Vereinsspitze, die sich nicht an der Aufklärung beteilige. „Es finden sich für die Vorfälle keine Zeugen, schon gar nicht auf Vereinsseite“, sagte die Staatsanwältin. „In dem Verein herrscht offenbar ein Korpsgeist, bei dem sich alle gegenseitig schützen. Ein echter Aufklärungswillen ist nicht zu erkennen“, sagte Dietsch. (mehr…)

Wir doch nicht!

Zwickauer Zelle Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 25. November 2011

Ausgerechnet Zwickau: Keiner der Mörder kam von hier. Aber die Stadt ist auch nicht unschuldig an ihrem Schicksal. Zwickaus Neonazi-Infrastruktur machte es dem Trio erst möglich abzutauchen

Ginge es nach Peter Klose, dann hätte Gadhafi in Zwickau Asyl erhalten. Es gäbe eine U-Bahn in der Stadt. Und das Leitungswasser wäre weniger braun. Dies sind die Anträge, mit denen Peter Klose, 58, zuletzt als Mitglied des Zwickauer Stadtrates aufgefallen ist. Er ist Ex-Landtagsabgeordneter der NPD, Ex-Mitglied der NPD, überzeugter Rechtsextremist. Man weiß von ihm, dass er seines »Freundes« Hitler an dessen Geburtstag gedenkt, mitunter die Reichsflagge aus dem Fenster hängt und die Hundesteuer für seinen »Adolf« nicht gezahlt hat. Man wusste, dass er eine Schraube locker hat. Man zerriss sich das Maul über diesen Mann. Selbst der NPD war Klose peinlich. Rechtsradikale, die fielen in der Stadt Zwickau bisher vor allem in die Rubrik Bizarres. (mehr…)

Hilfe von der Hassfamilie

Zwickauer Zelle Tageszeitung „Süddeutsche Zeitung“ vom 13. Februar 2012

Es gibt Hinweise, die den Verdacht erhärten, dass die Terroristen des »Nationalsozialistischen Untergrund« finanziell von der Kameradschaft »Nationale Sozialisten Zwickau« unterstützt wurden.

Immer donnerstags kamen sie zu Besuch: Der 32 Jahre alte André E. und seine Familie waren enge Vertraute des Zwickauer Terrortrios. Jetzt bekommen die Ermittler über E. immer mehr Einblick in die Gespenster-Welt der braunen Zelle. Auf einem Computer fanden sich Bilder von Opfern der NSU-Mörder und im Ordner „bildermix“ Fotos von Gerhard Schröder – mit Judenstern. Fast zeitgleich, genau um 6:29 Uhr und um 6:30 Uhr, suchten am Morgen des 24. November in Zwickau und im brandenburgischen Mühlenfließ Beamte der GSG 9 und ein Großaufgebot von 26 Polizeibeamten zwei Wohnungen der Familie E. heim. Die Sprengstoffspürhunde „Taro“ und „Muck“ waren im Einsatz, an beiden Orten waren Spezialisten für Netzwerkforensik dabei. (mehr…)

Zwickau & der Schweizer Nazi

Zwickauer Zelle Schweizer Tageszeitung „Aargauer Zeitung“ vom 27. November 2011

Der 28-jährige Schweizer Neonazi Mario Friso hatte Kontakte zu einigen möglichen Unterstützern der Naziterroristen des »NSU«: Thomas Gerlach, Daniel Peschek, André Kapke und Peter Klose

Mario Friso meldet sich am Mittwoch aus der Zimmerstunde. Es folgen mehrere Telefonate und ein E-Mail-Verkehr mit dem Koch. Friso gibt sich lammfromm. Es sei ihm «unangenehm», im Zusammenhang mit den mindestens zehn Morden der rechten Terror-Zelle genannt zu werden: «Das ist ein krankes Theater. Ich habe die Mörder nicht gekannt.» Er sei lediglich zu einem Vortrag nach Zwickau eingeladen worden, den er «genauso gut auch in Holland oder sonst wo hätte halten können». Friso: «Ich wüsste nicht, weshalb ich die Reise bedauern sollte.» Die Mordserie bezeichnet er als «Tragödie». Seine eigenen Ziele wolle er «nicht mit Gewalt erreichen». Ein ursprünglich vereinbartes Interview lässt er angeblich auf Anraten seines Anwalts platzen. Der ehemalige Pressesprecher der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) ist tiefer in der Thüringer Neonazi-Szene verstrickt, als er zugeben will. Das zeigen weitere Recherchen. (mehr…)

Falsch verstandene Blindheit

Freie Kräfte Kommentar der Opferberatung „RAA Sachsen e.V.“ vom 2. Februar 2012

Die Justiz muss die Gefahr rechter Gewalt ernst nehmen und Neonazis umgehend zur Verantwortung ziehen, doch die Verhandlungen zur Nazi-Kameradschaft »Sturm 34« stocken seit über zwei Jahren.

Knapp fünf Jahre ist es her, dass die Nazikameradschaft „Sturm 34“ verboten wurde. Die Gruppierung hatte bis Anfang 2007 versucht, mit unzähligen Gewalttaten eine „zecken- und ausländerfreie Zone“ im Raum Mittweida zu schaffen. Für all jene, die nicht in das Weltbild der Rechten passten, ob Ausländer, alternative Jugendliche oder einfach Menschen, die sich den Nazis nicht anschließen wollten oder sich ihnen gar widersetzten, war es ein Gebiet der Angst. Ihre Bewegungsfreiheit war faktisch aufgehoben, ständig liefen sie Gefahr, auf einer der selbstbetitelten „Skinhead-Kontrollrunden“ angegriffen zu werden. Fünf Rädelsführer mussten sich 2008 für ihre Taten vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Drei von ihnen wurden verurteilt, nicht jedoch, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Diese legte daraufhin Rechtsmittel ein; der Bundesgerichtshof wertete das Urteil als falsch und verwies das gesamte Verfahren zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück. Dort schlummern die Akten seit nunmehr über zwei Jahren. (mehr…)

Boxclub mit Naziproblem

Freie Kräfte Tageszeitung „Freie Presse“ vom 1. Februar 2012

Beim KSSV Zwickau boxen Mitglieder der Nazi-Kameradschaft »Nationale Sozialisten« und der Naziladen »The Last Resort Shop« tritt als Sponsor auf. Nur Zufall? Der Vereinschef verharmlost:

Zwickau – Unter dem Motto „Kein Platz für Gewalt. Mehr Respekt, bessere Integration und wahre Zivilcourage“ will der KSSV Zwickau im April ein sechswöchiges Boxcamp beginnen, in dem Jugendliche verschiedener Herkunft und Nationalitäten mit Hilfe des Sports einander besser kennen- und verstehen lernen sollen. Die Teilnahme wird kostenlos sein. „Wir hoffen, dass es gut angenommen wird“, sagte Vorstandsmitglied Frank Hillmer. (mehr…)