Antifaspaziergang nach Mordversuch

Antifa Internetportal „Indymedia“ vom 1. September 2012

Antifaschistischer Stadtspaziergang in Zwickau. Etwa 50 Personen solidarisieren sich mit Betroffenen rechter Gewalt. Kurzkundgebungen an verschiedenen Orten in der Zwickauer Innenstadt.

Heute, am 01.09.2012, versammelten sich ca. 50 Antifaschist_innen aus Zwickau und Sachsen zu einem spontanen antifaschistischen Stadtspaziergang. Anlass waren die zurückliegenden rassistischen bzw. nazistischen Angriffe in Zwickau. Der Spaziergang führte zu den Tatorten, sowie in die Zwickauer Innenstadt. Auf ingesamt drei Zwischenkundgebungen wurden mit Redebeiträgen, Flugblättern und Transparenten Solidarität mit den Betroffenen der Übergriffe zum Ausdruck gebracht und von den Zwickauer Bewohner_innen eingefordert. Bei den Naziangriffen wurden drei Personen erheblich verletzt.

Am frühen Morgen des 26. August attackierte eine Gruppe von sechs bis zehn Deutschen zwei Personen vor dem Tanzcafé „Eden“. Die Angreifer riefen rassistische und nationalsozialistische Parolen und gingen anschließend gezielt mit Schlägen auf die Betroffenen los. Beide erlitten schwere Verletzungen. Einer der beiden lag mehrere Tage nicht ansprechbar auf der Intensivstation. Immer noch ist unklar, ob er dauerhafte körperliche Schäden davon trägt. Sein Augenlicht ist aufgrund der Verletzungen gefährdet. Die Täter flüchteten nach der Attacke unerkannt. Die Polizei ermittelte anfangs wegen Landfriedensbruch, nun wegen versuchtem Mord.

Ein weiterer Übergriff liegt etwa 14 Tage zurück. Am Rande des Stadtfests wurde am 17. August ein linker Jugendlicher von zwei Nazis beschimpft und zusammengeschlagen. Der Geschädigte musste anschließend mit Verletzungen im Gesicht ärztlich behandelt werden. Immer wieder kam es im Zuge des Festes zu Pöbeleien von Nazis.

An beiden Tatorten wurden Kundgebungen durchgeführt und Redebeiträge verlesen. So hieß es unter anderem: „Zwickau ist sicherlich keine klassische Nazihochburg. Jedoch bedeutet in diesem Bereich Durchschnitt zu sein, für zahllose Menschen immer noch inakzeptable Einschränkungen, Gefährdungen oder im schlimmsten Fall lebensbedrohende Schädigungen.“ Entsprechend wurde ein Solidarisierung mit den Betroffenen der Nazigewalt eingefordert, denn diese ist in Zwickau nahezu ausgeblieben. „Nicht einmal das Zwickauer Demokratiebündnis brachte eine öffentlich vernehmbare Solidaritätsbekundgung zustande“, hieß es weiter. Die ausbleibende Solidarisierung und der fehlende Protest gegen die Naziübergriffe wurden kritisiert, da sich die Nazis in ihrem Handeln bestärkt sehen werden.

Hingewiesen wurde außerdem darauf, dass Zwickau über Jahre Herberge für das Naziterror-Netzwerk NSU gewesen ist. Entschieden widersprochen wurde der Einschätzung, der NSU selbst habe nichts mit Zwickau zu tun. Verwiesen wurde hierzu auf die gleichen Tatmotive sowohl bei NSU als auch bei den Tätern des Übergriffs am vergangenen Wochenende. Hier wie da lagen rassistische Motive zugrunde und diese wiederum entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern sind Ausdruck einer weit verbreiteten rassistischen Stimmung in der deutschen Gesellschaft.

In einem letzten Redebeitrag wurden zudem die Bemühungen beschrieben, in Zwickau ein Alternatives Jugendzentrum zu etablieren. Dabei verwies der Redner auf die ärgerlichen Erfahrungen mit der Zwickauer Stadtverwaltung, die den Engagierten immer neue Steine in den Weg gelegt haben und das Vorhaben auf diese Weise versuchen zu verhindern. Da so ein Zentrum jedoch ein wichtiger Baustein für eine antifaschistische und antirassistische Jugendkultur ist, soll weiterhin an dessen Aufbau festgehalten werden.

Nach etwa 1,5 Stunden wurde der Spaziergang am Georgenplatz beendet.

Quelle: de.indymedia.org/2012/09/334374.shtml

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