Weiterer V-Mann verdächtig

Zwickauer Zelle Tageszeitung „Freie Presse“ vom 27. März 2013

Zwickaus früherer NPD-Chef geriet zuletzt als „Paul Panther“ in die Schlagzeilen. Jetzt taucht sein Name gleich doppelt im Terror-Umfeld auf.

Zwickau – Führertreue bewies Peter Klose nicht nur dadurch, dass er seinen Schäferhund einst „Adolf“ rief. Zum „Führergeburtstag“ zeigte er auch Flagge. Am 20. April ließ er öfter die Reichsflagge aus dem Fenster seiner Zwickauer Wohnung wehen. Als der frühere Zwickauer NPD-Vorsitzende 2007 als nachgerückter NPD-Landtagsabgeordneter sein örtliches Bürgerbüro auch zu jenem „geschichtsträchtigen“ Datum eröffnen wollte, pfiff ihn die eigene Landtagsfraktion zurück. Rhetorisch ungeübt – gelinde gesagt –, bekam er im Landtag sogar Redeverbot, ebenfalls von der eigenen Fraktion.

Ansehen genoss Klose dagegen in der parteiungebundenen Neonazi-Szene seiner Heimatstadt. 2007 unterstützte er die örtliche Kameradschaft „Nationale Sozialisten“ dabei, die montägliche Demo gegen Hartz IV zu vereinnahmen. Kontakt pflegte er zu Thüringer Szenegrößen wie Thomas G., der die Zwickauer Szene aufbauen half. Weil Klose auf seiner Webseite die Losung der SS beschwor, wurde er fürs Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt. Wiederum zum Hitler-Geburtstag verließ Klose im Jahr 2011 im Streit die NPD, saß fortan parteilos im Zwickauer Stadtrat.

Zuletzt geriet er durch sein Facebook-Pseudonym in die Schlagzeilen: „Paul Panther“ nannte er sich im sozialen Netzwerk. Neben Porträtfotos rangierte dort jener an sich harmlose rosarote Panther, der mit Bekanntwerden des Bekennervideos zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) indes plötzlich eine neue Qualität bekam: Im Video wurde der TV-Panther zynisch als Killer in Szene gesetzt. In Verbindung mit der Neonazi-Szene wurde die Figur prompt zum Indiz für eventuelle Vorabkenntnis des Videos vor dessen Veröffentlichung: also gewissermaßen für eine Mitwisserschaft.

Alles reiner Zufall, erklärte Klose der „Freien Presse“ am 13. November 2011, zwei Tage nach Bekanntwerden des Videos. Sein Pseudonym „Paul Panther“ habe er nur gewählt, weil er die TV-Serie möge. Zum Terrortrio habe er nie Kontakt gehabt. „Ich weiß gar nicht, worum es da geht“, sagte Klose. Das stimmte nicht, was sein zu dem Zeitpunkt letzter Facebook-Eintrag belegte. Der verwies auf Beate Zschäpes Ankündigung, auszupacken, wenn man ihr mildernde Umstände über eine Kronzeugenregelung hätte zuteilwerden lassen.

Inzwischen rangiert Klose auch für Ermittler der Bundesanwaltschaft auf der Liste der Verdächtigen im Umfeld des NSU. Dem Bundestagsuntersuchungsausschuss wurde jetzt eine Liste mit 129 Kontaktpersonen des Terrortrios oder seiner mutmaßlichen zehn Helfershelfer vorgelegt. Darauf steht auch Klose, während sein Name auf der vorangegangenen Liste mit 100 Kontaktleuten noch fehlte. Immerhin – in seinem Bürgerbüro soll auch Neonazi André K. verkehrt haben, der schon vor Abtauchen des Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zu deren Jenaer Kameradschaft gehört hatte.

Zugleich taucht Kloses Name jetzt auch in anderem Zusammenhang auf, der, wenn nicht seine Führertreue, so doch seine Treue zur Szene infrage stellt. Bis in die späten 1990er-Jahre soll er V-Mann des Verfassungsschutzes gewesen sein, wie aus informierten Kreisen bestätigt wurde. Klose selbst kann zu den Vorwürfen, anders als 2011, nicht Stellung nehmen. Seit einem Schlaganfall ist er nicht ansprechbar.

Quelle: Jens Eumann/ Freie Presse/ Mittwoch, 27.03.2013/ Seite 3

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