Archiv für Mai 2013

Auf gute Nachbarschaft

Freie Kräfte Kooperationspartner vom 7. Mai 2013

Weißenborn bleibt auch nach dem Abriss des Terroristenverstecks eine Reise wert: Reichsdeutsche unterhalten ihr „Außenministerium“ in dem Zwickauer Ortsteil

Nur wenige hundert Meter vom letzten Versteck der drei Nazi-Terroristen Mundlos, Böhnhard und Zschäpe in der Frühlingsstraße 26 in Weißenborn entfernt, haben rechte Verschwörungstheoretiker ein sogenanntes „Bürgeramt“ für einen fiktiven Staat eingerichtet. Passanten werden in der Niederhohndorfer Straße glücklicherweise mit Hilfe einer Hinweistafel auf das „Hoheitsgebiet“ des „Freien Deutschland“ aufmerksam gemacht, denn das Betreten des Grundsrücks ohne Einwilligung des Eigentümers wird „als Kriegserklärung gewertet“. (mehr…)

Künstler fordern Mahnmal

Zwickauer Zelle Tageszeitung „Freie Presse“ vom 7. Mai 2013

Über die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds soll nicht einfach Gras wachsen, verlangen die Mitglieder des Grass-Lifting-Camps.

Zwickau – Politik ist immer ein bisschen Theater, meinte Platon – und Theater auch schon immer ein bisschen Politik, analysierte Theaterwissenschaftlerin Doris Kolesch. Für die jungen Künstler der Gruppe „Grass Lifting Camp“, die aus Mitgliedern und Freunden des Theaters Plauen-Zwickau bestehen, ist die Zwickauer Politik vor allem in einem Bereich nicht bühnenreif: bei der Aufklärung und Verarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), gegen dessen Mitglied Beate Zschäpe sowie weitere Helfer gestern der Prozess in München begonnen hat. An der Stelle des letzten Unterschlupfes des NSU an der Frühlingsstraße gruben Franz Knopp, Gretl Kautzsch, Gundula Hoffmann und Nele Wolfram deshalb gestern einen Spatenstich Gras aus. „Damit wollen wir symbolisch sagen: Wir wollen nicht, dass Gras über die Sache wächst“, sagte Franz Knoppe. Erinnerung müsse auch an den Orten der Täter stattfinden, fordert der 31-Jährige. (mehr…)

Vom Werwolf zum V-Mann

Zwickauer Zelle Tageszeitung „Freie Presse“ vom 29. April 2013

Die seltsame Nähe deutscher Geheimdienste zur Alt- und Neonazi-Szene: Wie SS- und Gestapo-Personal im Dienst der jungen BRD landete, wie man Neonazis zu Untergrund-Guerillas ausbildete und danach die Neonazi-Szene mit V-Leuten durchzog.

Chemnitz – Immer länger wird die Liste der V-Leute, die nichts pfiffen. Zumindest nichts, was zur Ergreifung der Terroristen im Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) führte. „Otto“, „Hagel“, „Corelli“, „Primus“, „Tristan“, „Tusche“ und viele mehr sollten für Geheimdienste im Umfeld des Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe spitzeln.

Im Thüringer Heimatschutz, jenem Neonazi-Sammelbecken, in dem auch die Kameradschaft des Jenaer Trios aktiv war, gaben sich V-Leute des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) und verschiedener Landesämter die Klinke in die Hand. Selbst der Gründer dieser Wiege des NSU, Rechtsextremist Tino Brandt, war V-Mann. Unter den Quellen-Namen „Otto“ und „Oskar“ gab er nach Abtauchen des Trios viele Hinweise ans Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz (LfV). Doch nur solche, die es nie zuließen, den Dreien auf die Spur zu kommen. Und keiner gab Tipps, die bundesweite Mordserie mit dem Trio in Verbindung zu bringen. Wusste davon wirklich niemand in der Szene? Oder hielten V-Leute nur gut dicht? (mehr…)