Schedewitzer Club spielt unter Flutlicht

Fußball Tageszeitung „Freie Presse“ vom 13. August 20013

Schedewitz 98 haftet der Ruf an, in der rechten Szene verwurzelt zu sein. Ab September spielt der Verein im frisch sanierten Westsachsenstadion. Und will allen das Gegenteil beweisen.

Eine überdimensioniertes »Gott mit uns«-Banner am Zwickauer Fanbllock

Zwickau. Die Schedewitzer? Das sind doch die Rechten. Wen auch immer man in der Zwickauer Fußball-Hemisphäre fragt, die Antwort ist häufig die gleiche. Die Spielvereinigung Schedewitz 98 (1. Kreisklasse) hat einen denkbar schlechten Ruf – vom Hitler-Gruß am Spielfeldrand, rassistischen Beleidigungen während des Spiels und Schlägereien nach Abpfiff berichteten Spieler anderer Vereine – allerdings nur anonym. Ein Artikel des Antifa-Recherche-Teams Zwickau aus dem Jahr 2009 erhob deutlich weiter reichende Vorwürfe. Er stellt Verbindungen von Vereinsmitgliedern in die Neonazi-Szene dar – bis in die Kreise direkter NSU-Unterstützer.

Grund genug, findet Stadtrat René Hahn (Linke), zu hinterfragen, warum der Verein ab der kommenden Saison im frisch sanierten Westsachsenstadion auflaufen darf. „Jeder kennt den Ruf der Schedewitzer. Ausgerechnet dieser Verein bekommt die prestigeträchtigste Spielstätte der Stadt angeboten“, sagt Hahn, der für Marienthal United (2. Kreisklasse) als Schiedsrichter aktiv ist. „Mich würde interessieren, ob das zumindest hinterfragt wurde.“ Dafür gab es keinen Anlass, sagt Sportamts-Chef Uwe Findeiß. Die Entscheidung sei aus rein praktischen Gründen gefallen: Der Schulsportplatz in Oberhohndorf, ein buckliges Spielfeld aus roter Asche, wird demnächst geschlossen. Dort wird eine neue Sporthalle für die August-Bebel-Grundschule gebaut. „Wir haben den Schedewitzern die Spielstätte weggenommen, also müssen wir ihnen auch Ersatz anbieten.“ Auch Findeiß kennt den Ruf des Vereins. „Aber wir fällen keine Entscheidungen auf der Basis von Gerüchten“, sagt der Amtsleiter. Das Sportgericht des Fußball-Kreisverbands hat sich seit der Gründung des Vereins 1998 nur einmal mit einem einschlägigen Vorfall beschäftigt: 2007 sollen Schedewitzer Spieler einen Kirchberger Spieler türkischer Herkunft rassistisch beleidigt haben. Der Schiedsrichter hat nix gehört, bei der Verhandlung stand Aussage gegen Aussage – das Verfahren wurde eingestellt. „Die Spielvereinigung hat ihre Höhen und Tiefen wie jeder andere Verein auch“, sagt Wieland Gludowacz, 28 Jahre lang Vorsitzender des Sportgerichts. „Gerüchte gab es immer. Was die Spieler privat treiben, geht uns aber nichts an. Mehr rote Karten als andere haben sie jedenfalls nicht gesammelt“, so der 73-Jährige. Der Kreisverbands-Chef, Rainer Bock, sagt: „Der Verein muss an seinem Image arbeiten. Ich befürworte aber, dass er im Westsachsenstadion spielen darf. Mir sind keine rechtsextremen Vorfälle im Umfeld des Vereins bekannt.“

Offiziell will sich der Verein nach langem Zögern doch nicht äußern. Der Antifa-Artikel sei „zum Großteil erlogen“, habe Sponsoren gekostet und kritische Fragen der Arbeitgeber zur Folge gehabt. Am Image arbeiten, das mache man aber bereits, sagt ein Vereinsmitglied der „Freien Presse.“ So dürften die Spieler in ihrer Freizeit anziehen, was sie wollen – beim Aufwärmen vor dem Spiel allerdings werden T-Shirts der Marke Thor Steinar oder mit politischen Aussagen nicht geduldet. Dafür würden fünf Euro für die Mannschaftskasse fällig. Dass das Tattoo-Studio, das die Trikots sponserte, einem NPD-Kandidaten für die Stadtratswahl 2009 gehört, habe man nicht gewusst. „Wir waren Draufgänger und wir haben unsere Jugendsünden – aber das ist vorbei. Viele Spieler sind inzwischen Familienväter. Der Verein hat sich gewandelt in den letzten Jahren. Bei uns dreht keiner mehr durch“, sagt ein Spieler. Mit Jugendsünden meint er Schlägereien mit Polizei und gegnerischen Fans bei Spielen des FSVZwickau. Die Nähe der Spielvereinigung zur Fan-Gruppierung „A-Block“ ist auch Hauptkritik des erwähnten Artikels der Antifa Zwickau. Denn der A-Block, damals schon für fremdenfeindliche Parolen bekannt, ist spätestens ab 2009 von der rechtsextremen Vereinigung „Nationale Sozialisten Zwickau“ unterwandert worden. Neonazi-Kader Daniel Peschek aus Thüringen kündigte die Ausschreitungen im Spiel des FSV gegen Aue II 2009 sogar einem Reporter der „Freien Presse“ gegenüber an.

Rund 100 schwarz gekleidete, teilweise vermummte Personen standen damals im Mittelpunkt der Randale, die mit 54 Festnahmen endete und 36 Verletzte forderte. Das Spiel hatten sie im A-Block des Westsachsenstadions verfolgt. Dort, wo auch der schwarze Banner hing, auf dem in weißer Fraktur-Schrift „Schedewitz“ steht. Lange Zeit hing auch die Wehrmachtslosung „Gott mit uns“ gleich daneben. Das Schedewitz-Banner ist auch auf einem Mannschaftsfoto der Spielvereinigung zu sehen (siehe Foto). „Es gehört Fans. Das hat nichts mit unserem Verein zu tun“, heißt es von Vereinsseite. Ob Spieler des insgesamt 60Mitglieder starken Clubs bei Stadion-Besuchen hinter dem A-Block-Banner stehen, sei ihre private Sache. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Nationalen Sozialisten hielten in der Gartenkneipe „Neuland“ nach Antifa-Angaben auch Kameradschaftstreffen ab. Spieler kehren dort gelegentlich ein, „um gemeinsam Fußball zu schauen.“ Der Verein sei unpolitisch. „Dass wir künftig im Westsachsenstadion spielen, sehe ich als Chance, das zu beweisen. Es ist jeder eingeladen, sich selbst zu überzeugen“, sagt ein Spieler.

Quelle: Christian Gesellmann/ Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ 13.08.2013

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