Archiv für Februar 2014

Brand am Döner-Imbiss

Chronik Tageszeitung „Freie Presse“ vom 14. Februar 2014

An dem Haus, in dem die Betreiber wohnen, ist ein Feuer ausgebrochen. Die Ursache ist unklar, aber vieles deutet auf Brandstiftung hin. Kurz zuvor soll die türkischstämmige Familie bedroht worden sein.

Meerane. Es ist mitten in der Nacht, 2.30 Uhr, als die Familie wach wird. Jemand klingelt Sturm, hämmert an die Tür. Den Schlaf noch tief in den Knochen, öffnet das Ehepaar und sieht sich Polizeibeamten gegenüber. Alle Bewohner sollen sofort das Haus verlassen. Es brennt. Erst jetzt fällt den Eheleuten der Rauchgestank auf. Er ist so stark, dass dem Mann schwindlig wird. In der Küche steht dichter Qualm. Direkt hinter der Balkontür schlagen die Flammen einen Meter hoch. (mehr…)

Zeugin vor Gericht: Alles »ganz normal« in Zwickau

Zwickauer Zelle Tageszeitung „Süddeutsche Zeitung“ vom 3. Februar 2014

Im NSU-Prozess kommt eine junge Frau zu Wort, die immer wieder Kaffee mit Beate Zschäpe trank – aber nichts von deren politischen Einstellung wissen will. Eines wird dabei deutlich: In der Umgebung, in der sich die beiden aufhielten, galt vieles als normal, was andernorts nicht ganz so normal ist.

Manchmal geht es im Prozess um den rechtsradikalen NSU auch um philosophische Fragen. Zum Beispiel um die Frage: Was ist normal? Und man erkennt auch in diesem Prozess, dass gerade der Begriff „normal“ reine Definitionssache ist.

An diesem Montag tritt die Zeugin Sindy P. auf, eine Verkäuferin aus Zwickau, 28 Jahre alt, sehr viele Strähnen, sehr lange Fingernägel, lackiert in Neonpink. Die Frau ist deswegen interessant, weil sie mehrere Jahre lang im selben Haus wie Beate Zschäpe gelebt hat und sich die beiden Frauen auch immer wieder trafen, zum Kaffee, auf eine Zigarette. Allerdings sagt die Verkäuferin nun, dass sie zwar ständig geredet hätten, aber sie gar nichts über Beate Zschäpe wisse. Nur dass die irgendwas studiert habe, ihr Freund in der Elektrobranche tätig gewesen sei und sie recht kinderlieb war. Sonst nichts. Dabei hat Zschäpe die Nachbarin auch nach ihrem Auszug aus der Polenzstraße in Zwickau immer wieder besucht und mit deren Tochter gespielt. Aber über was sie geredet haben, daran kann sich die Zeugin partout nicht mehr erinnern. Alles sei „ganz normal“ gewesen, Alltagsgeschichten. (mehr…)