Polizei ermittelt gegen NPD-Funktionär

NPD Tageszeitung „Freie Presse“ vom 24. Dezember 2014

Kreis- und Stadtrat Patrick Gentsch soll in der Disco einer dunkelhäutigen Frau ins Gesicht geschlagen haben. Danach durfte er weiterfeiern.

Glauchau. Die Partynacht am Samstag in der Glauchauer Disco „Trennwerk“ hat für NPD-Kreischef Patrick Gentsch (Jahrgang 1976) ein Nachspiel. Die Polizei ermittelt gegen den Kreis- und Stadtrat wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Beleidigung. Gentsch soll im alkoholisierten Zustand einer dunkelhäutigen Frau ins Gesicht geschlagen, sie rassistisch beleidigt haben.

Ein Augenzeuge, der nach eigenen Angaben dazwischenging, schilderte den Vorfall gestern der „Freien Presse“: „Gentsch hat die Frau angerempelt und als ,Negerschlampe‘ und ,Nigger‘ beschimpft. Er hat sie zu Boden geschubst. Die dunkelhäutige Frau hat sich dann gewehrt.“ Es sei eine Weile drunter und drüber gegangen.

Die 39-Jährige, die in Kenia geboren ist und seit zehn Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft innehat, erstattete Anzeige. Vier Zeugen bestätigten ihre Angaben gegenüber der Polizei. Patrick Gentsch dagegen bestritt die Vorwürfe. Er war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut Polizeisprecherin Anett Helfer steht Aussage gegen Aussage. Das mutmaßliche Opfer hatte keine sichtbaren Verletzungen. „Der Beschuldigte wird jetzt noch einmal von uns angehört“, sagt Helfer. Danach geht der Fall weiter an die Staatsanwaltschaft.

Nach dem Vorfall durfte Gentsch weiterfeiern. Disco-Betreiber Maik Bochmann unternahm keinen ernsthaften Versuch, ihn hinauszuwerfen. „Das war eine Gruppe von fünf bis sechs sehr durchtrainierten Personen. Wenn wir sie hinausgeschickt haben, sind sie einfach wieder reingekommen“, sagte er gestern der „Freien Presse“. „Die Gruppe war stark angetrunken“, so Bochmann.

Der Partymacher will den Vorfall selbst nicht beobachtet haben. „Ich habe davon erst gehört, als dann die Polizei gekommen ist“, sagt er. Wieso hat er in dem Moment die Beamten nicht einfach gebeten, die Gruppe hinaus zu schicken? „Wir waren alle überfordert“, sagt Bochmann.

Während die Polizisten mit dem mutmaßlichen Opfer auf die Glauchauer Wache fuhren, um die Anzeige aufzunehmen, geriet dann die Feier vollkommen aus dem Ruder. Laut Bochmann haben Unbekannte in den Toiletten randaliert, ein Feuerlöscher flog durchs Treppenhaus. Angezeigt hat er das aber noch nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Beamte gegen Gentsch ermitteln. Im August schaltete sich der Staatsschutz ein. Gentsch soll einem Mitarbeiter eines Glauchauer Jugendhauses Gewalt angedroht haben. 2010 erließ die Staatsanwaltschaft Strafbefehl gegen Gentsch, der bei einer Party am Bismarckturm einen Mann gegen eine Bierzeltgarnitur gestoßen hatte. Der Meeraner akzeptierte die Strafe und ersparte sich so eine Verhandlung vor Gericht.

Quelle: Michael Stellner/ Freie Presse/ Mittwoch, 24.12.2014

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