NPD-Stadtrat Gentsch könnte Mandat verlieren

NPD Tageszeitung „Freie Presse“ vom 16. Februar 2015

Wegen des Vorwurfs, eine dunkelhäutige Frau geschlagen zu haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bestätigt sich die Tat, muss der Kommunalpolitiker um sein Amt bangen.

Meerane/Zwickau – Die Ermittlungen gegen NPD-Funktionär Patrick Gentsch dauern an. Inzwischen hat die Zwickauer Staatsanwaltschaft den Fall übernommen. Laut einer Sprecherin entscheidet sich demnächst, ob Anklage erhoben wird. Sollte es zu einem Prozess kommen, werde dieser voraussichtlich am Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal stattfinden. Gentsch, der für die rechtsextreme NPD im Meeraner Stadtrat und im Zwickauer Kreistag sitzt, wird vorgeworfen, am 20. Dezember in einer Glauchauer Diskothek eine dunkelhäutige Frau beleidigt und ins Gesicht geschlagen zu haben. Nach Angaben der Glauchauer Polizei gebe es dafür mehrere Augenzeugen.

Während die Zeugen ihre Aussagen auf dem Polizeirevier zu Protokoll gaben, durfte Gentsch in der Disco weiterfeiern. Der Betreiber sagte der „Freien Presse“, er habe den Vorfall nicht beobachtet und deswegen niemand zum Verlassen des Lokals aufgefordert.

Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnte Gentsch sein Mandat im Stadtrat verlieren, das er seit 2008 innehat. Voraussetzung dafür wäre eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Meeranes Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) machte dies während der jüngsten Stadtratssitzung zum Thema. Er verlas eine Erklärung, in der er daran erinnerte, dass alle Stadträte auf die gewissenhafte Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet worden seien. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, habe dies einen Ansehensverlust für den gesamten Meeraner Stadtrat in der Öffentlichkeit zur Folge, so Ungerer. Gentsch nahm die Erklärung regungslos zur Kenntnis.

Patrick Gentsch hatte in der Vergangenheit mehrfach mit der Justiz zu tun. Nach Angaben einer Richterin war er seit dem Jahr 2000 wegen versuchter Strafvereitelung, fahrlässigen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Körperverletzung, vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und fahrlässiger Körperverletzung auffällig geworden. Dafür gab es Geldstrafen. 2009 wurde Gentsch verurteilt, weil er unerlaubt mit einem tschechischen Führerschein unterwegs war. 2010 akzeptierte er einen Strafbefehl, nachdem er während einer Party am Glauchauer Bismarckturm einen Mann gegen eine Bierzeltgarnitur gestoßen hatte. 2014 soll er einen Mitarbeiter im Glauchauer Jugendhaus bedroht haben. Der Staatsschutz ermittelte damals.

Quelle: Michael Stellner/ Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Montag, 16.02.2015

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