Symbolisch gepflanzt – absichtlich gefällt

Freie Kräfte Tageszeitung „Freie Presse“ vom 21. April 2015

Nach der Absage für Vera Lengsfeld nun die „Absäge“ – und der zweite Aufreger der Zwickauer Demokratie-Tage.

Zwickau – Er ist der Baum des Jahres 2015 – in Zwickau wurde er nicht mal eine Woche alt: Ein Feld-Ahorn, vergangenen Dienstag von jungen Migranten als Symbol für das friedliche Miteinander von einheimischen und ausländischen Mitbürgern am Muldeufer eingepflanzt, ist am Wochenende abgesägt worden. Die Baumpflanzaktion war vom Jugendmigrationsdienst der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Rahmen der Demokratie-Tage organisiert worden. Während der Aktion hatte es einen Protest der rechten Gruppierung „Identitäre Bewegung Sachsen“ gegeben. Ob es einen Zusammenhang damit gibt, dass der Baum nun keine Blüten in Zwickau treiben wird, ist noch unklar. Von dem oder den Tätern fehlt bisher jede Spur, die Stadtverwaltung stellte Strafanzeige gegen unbekannt.

Fünf Mitglieder der Identitären hatten während der Pflanzung ein Plakat hochgehalten, auf dem sie die Tat indirekt ankündigen, wenn man das denn so deuten will: „Lass deine Wurzeln nicht verdorren – bewahre deine ethnokulturelle Identität.“ Die Bewegung, die mit rund 40 Teilnehmern an den Pegida-Demonstrationen in Dresden teilnahm, will nach eigenem Bekenntnis für einen „Kontinent der Vaterländer“ kämpfen und hat ihre Wurzeln in Frankreich. In Sachsen gründete sie sich laut ihrer eigenen Homepage im Januar. Dort heißt es: „Wir wollen dem gesamten patriotischen Deutschland, der Jugend ohne Migrationshintergrund, eine Stimme, ein Gesicht und eine Faust geben, sodass uns keiner mehr ignorieren kann.“ Eines der Zwickauer Mitglieder veröffentlicht regelmäßig Selbstverteidigungs-Videos auf Youtube. Auf ihrer Facebook-Seite behaupten die sächsischen Identitären, bei der Baumpflanzung habe niemand mit ihnen reden wollen. Sozialpädagogin Beate Vieweg, die die Pflanzung mitorganisierte, sagte „Freie Presse“: „Es gab keinen Versuch der Kommunikation. Sie haben uns nicht angeguckt, und auch nicht mit uns geredet.“ Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), die ebenfalls bei der Baumpflanzung anwesend war, sagte: „Dass ausgerechnet dieser Baum, der von Jugendlichen als Zeichen von Solidarität und Zusammenwachsen gepflanzt wurde, abgesägt wurde, macht uns besonders betroffen!“ Laut Stadtverwaltung ist eine Nachpflanzung bereits beauftragt. Der Schaden beträgt laut Awo rund 470 Euro.

Quelle: Christian Gesellmann/ Freie Presse/ Zwickauer Zeitung/ Dienstag, 21.04.2015/ Seite 9.

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