Schläger muss 12.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Chronik Tageszeitung „Freie Presse“ vom 22. April 2015

Berufung im Eden-Prozess: 34-Jähriger muss doch nicht ins Gefängnis – wenn er sein Opfer entschädigt

Zwickau – Das Landgericht Zwickau hat gestern einen 34-jährigen Mann aus Hartenstein wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er hatte gestanden, sich im August 2012 an einem Überfall auf Ausländer im Tanzcafé „Eden“ beteiligt zu haben. Eine Gruppe von etwa zehn Rechtsradikalen hatte das Lokal in der Zwickauer Innenstadt gestürmt. Unter Rufen wie „Heil Hitler“ und „Kanaken raus“ trieben sie die ausländischen Gäste auf die Straße. Ein heute 29-jähriger Türke wurde lebensbedrohlich verletzt. Der Angeklagte war im vergangenen Juni bereits vom Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Gegen das Urteil gingen die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte in Berufung. Dem gestern erfolgten Urteil ging eine Verfahrensabsprache voraus.

Wenn der 34-Jährige eine Wiedergutmachung in Höhe von 12.000 Euro an sein Opfer zahlt, wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Der 34-Jährige hatte bereits vergangenes Jahr die Zahlung eines Schmerzensgeldes angeboten und sich für die Tat entschuldigt. Er weigerte sich aber, Mittäter zu nennen. Das Opfer lehnte das Schmerzensgeld damals ab, weil ihm die Aufklärung der Straftat wichtiger sei, sagte er „Freie Presse“. Mittlerweile sei dies nicht mehr zu erwarten. Die Tat war von zahlreichen Zeugen gefilmt oder fotografiert worden, die aber nie gegenüber den Strafverfolgungsbehörden aussagten. Vergangene Woche sprach das Amtsgericht einen mutmaßlich Tatbeteiligten aus Mangel an Beweisen frei.

Quelle: Christian Gesellmann/ Freie Presse/Zwickauer Zeitung/ Mittwoch, 22.04.2015/ Seite 9.

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