Konspiratives Konzert in Crimmitschau

Freie Kräfte Tageszeitung „Freie Presse“ vom 9. Juni 2015

Ein Fall für den VS-Bericht: Die Stadtrechtsfeier war 2014 DER Höhepunkt an der Pleiße. Dass auch Rechte den Trubel am 31. Mai ausnutzten, ist bisher kaum bekannt gewesen.

Crimmitschau – Den gefühlten Ausnahmezustand rund um die Stadtrechtsfeiern im vergangenen Jahr haben Rechtsextreme offenbar bewusst für ein konspiratives Konzert in Crimmitschau genutzt. Am Vortag des großen Jubiläumsumzugs besuchten nach Angaben des sächsischen Verfassungsschutzes 100 bis 150 Menschen eine Veranstaltung, bei der vier einschlägige Bands beziehungsweise Liedermacher auftraten. Ort des Geschehens war die ehemalige „Murphy’s Bar“ am Schützenplatz.

Der Inhaber der Immobilie, Markus „Klecks“ Willenberg, gab an, erst von der „Freien Presse“ auf das Geschehen damals aufmerksam gemacht worden zu sein. „Es war ganz klar eine private Geburtstagsfeier gebucht“, sagte er. „Ich war selber nicht vor Ort. Und ich habe mit Rechten nichts am Hut.“ Dass es ein Konzert von Rechtsextremen in Crimmitschau gab, war theoretisch bereits im August 2014 nachlesbar – entsprechende Informationen der Verfassungsschützer wurden auf eine Anfrage von Linke-Abgeordneten über den Bundestag veröffentlicht. Aber weder die Stadt noch die Veranstalter des Straßenkunst-Festivals Ibug, für das Willenberg sein Gelände dann Ende August 2014 zur Verfügung stellte, hatten nach eigenen Angaben zum damaligen Zeitpunkt Hinweise erhalten.

Die Polizeidirektion Zwickau teilte mit, dass Beamte bei einer Verkehrskontrolle nach der Veranstaltung Hinweise auf den genauen Ort des konspirativen Konzerts erhalten hatten. Die Polizei hatte laut Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) im Vorfeld nur unkonkrete Informationen, dass so etwas im Raum Zwickau geplant sei. Laut Martin Döring, dem Pressesprecher des LfV, sind im vergangenen Jahr in Sachsen insgesamt drei konspirative Konzerte veranstaltet worden. In anderen sächsischen Landstrichen existieren derweil Lokale, in denen die rechtsextreme Szene regelmäßig Musikveranstaltungen organisiert.

Die Verfassungsschützer gehen davon aus, dass das Konzert von den Organisatoren bewusst zeitlich und örtlich nah an den Stadtfeiern angesetzt wurde. „In der Vergangenheit wurden immer wieder Überlegungen von Rechtsextremisten bekannt, derartige Großveranstaltungen zur Durchführung eigener Aktionen zu nutzen, da die Behörden – insbesondere die Polizei – anderweitig gebunden sind. Dies könnte auch im konkreten Fall ein Grund gewesen sein“, so LfV-Sprecher Döring.

Quelle: Konrad Rüdiger/ Freie Presse/ Werdauer Zeitung/ Dienstag, 09.06.2015/ Seite 9.

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