Asylstreit spaltet Meerane

Asyl Tageszeitung „Freie Presse“ vom 5. Oktober 2015

Demo, Gegendemo, Bürgerfest – die Einwohner gehen mit dem Flüchtlingsproblem in der Stadt unterschiedlich um. Das Wichtigste: In der Stadt blieb es friedlich.

Meerane. Wie zerrissen die Stadt beim Thema Flüchtlinge ist, hat sich gestern Nachmittag in Meerane gezeigt. Zwei Demonstrationen, eine pro, die andere gegen Asyl. Die Mehrheit der Meeraner blieb allerdings zu Hause. Ein Zeichen für Toleranz wollten auf dem Marktplatz engagierte junge Leute setzten. Unter dem Motto „Zusammensetzen statt Hetzen“ hatten sich etwa 150 Teilnehmer versammelt. „In Meerane leben derzeit 120 Asylbewerber, davon etwa 50 Kinder“, sagte Michael Öhler von der Diakonie Westsachsen, die die Leute in den Wohnprojekten betreut. Die Diakonie hat im Wohn- gebiet Remser Weg ein Büro, in dem auftretende Probleme zwischen Meeranern und Asylbewerbern geklärt werden können, sagte Öhler. „Meerane sagt weiter Ja“, erklärte Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos), der noch einmal die Einwohnerversammlung der vorigen Woche reflektierte. Ungerer lobte das Engagement der jungen Leute für Toleranz und Aufklärung und stellte einen Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Toleranz her.

Nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt trafen sich ebenfalls am Nachmittag etwa 300 Asyl- gegner zu einer Kundgebung mit anschließender Demonstration. NPD-Stadtrat Patrick Gentsch kritisierte die Asylpolitik und sprach sich gegen die geplante Erstaufnahmeeinrichtung in Meerane aus. Anschließend setzte sich der Zug in Bewegung, marschierte über die Achterbahn, durch das Böhmerviertel bis zum leer stehenden Nettomarkt an der Oststraße, wo nochmals eine Kundgebung abgehalten wurde.

Beide Demonstrationen verliefen friedlich. Die Polizei war vor Ort, postierte sich an den Schauplätzen Markt und Kreuzung Meistereck. Während des Demonstrationszuges der Asylgegner sperrten die Beamten kurzzeitig die Straßen.

Dass es Meeraner gibt, die neugierig auf die Asylbewerber sind und keine Berührungsängste haben, hat sich am Samstag bei einem kleinen Bürger- und Familienfest mit Hüpfburg und Kinderschminken im Wohngebiet Remser Weg gezeigt. Einige nutzten die Gelegenheit, um mit Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen. „Es war ein Angebot unsererseits“, sagte Udo Friedrich, der ehrenamtlich für das Wohnprojekt der Diakonie arbeitet.Auch wenn es bei dem kleinen Fest mehr Meeraner hätten sein können, „so kann man später sagen, dass man etwas getan hat“, sagte Friedrich.

Quelle: Stefan Stolp/ Freie Presse/ Glauchauer Zeitung/ Montag, 05.10.2015

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