Crimmitschau: Anschlag auf Wohnungsgesellschaft

Asyl Tageszeitung „Ostthüringer Zeitung“ vom 14. Oktober 2015

Unbekannte Täter haben einen Anschlag auf die Crimmitschauer Wohnungsgesellschaft (CWG) verübt. Die Kripo schließt einen Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterbringung nicht aus.

Das Wohngebiet Neuplanitz in Zwickau

Crimmitschau. Der Schreck saß tief am Montag, sowohl bei den Mitarbeitern der CWG als auch bei denen der Stadt. Am vergangenen Wochenende hatten Unbekannte einen Anschlag auf den Sitz des städtischen Wohnungsunternehmens verübt. Einschüsse an drei verschiedenen Schaufenstern zeugen davon ebenso, wie Schmierereien an der Eingangstür und dem Eingangsschild. Die wiederum legen den Schluss nahe, dass es sich um eine Tat handelt, die sich gegen die Unterbringung von Flüchtlingen richtet. Die CWG hat Anzeige erstattet, Kriminalisten haben Spuren aufgenommen und sicherten zuvor den Tatort. Nach ersten Vermutungen können die Einschüsse in die Büro-Fenster der CWG durch Stahlkugeln verursacht worden seien, die mit einem Katapult abgeschossen wurden.

Der Schock sitzt tief bei den Mitarbeitern

„Der Schreck sitzt wirklich tief bei uns allen“, sagte gestern Uta Pleißner, Sprecherin der Stadt auf Anfrage von OTZ-Schmöllner Nachrichten. Denn hinter den Fenstern zur Badergasse befinden sich Schreibtische der Mitarbeiter des städtischen Unternehmens. Was, so deren besorgte Frage jetzt, wenn das nächste Mal geschossen wird, wenn bei der CWG gearbeitet wird. Schmierereien wie „Volksverräter“ oder „Wir kriegen euch alle“ schüren die Angst der Mitarbeiter zusätzlich. Oberbürgermeister Holm Günther (parteilos) unterbrach am Montag seinen Urlaub, als er von dem Anschlag erfuhr und nahm an einer Mitarbeiterversammlung in den Räumen der CWG teil.

Holm Günther, CWG-Geschäftsführer Jörg Bochmann und CWG-Prokurist Konstantinos Apostolopoulos erklären übereinstimmend: „Es liegt nahe, dass ein Zusammenhang zwischen dem feigen Anschlag auf die CWG-Geschäftsräume und der Tatsache besteht, dass in Wohnungen der CWG in Crimmitschau Asylbewerber und Flüchtlinge untergebracht sind. Wir verurteilen diesen Anschlag auf die Sicherheit und das Leben der CWG-Mitarbeiter auf das Schärfste. Wir sind bestürzt darüber, dass Menschen so etwas tun können.“ Und Günther weiter: Wer so feige und hinterhältig handelt, besitzt kein Verantwortungsgefühl.“ Als Konsequenz werden die Stadtverwaltung und die CWG stärker mit der Polizei zusammenarbeiten und die Präsenz von Sicherheitskräften um die CWG-Gebäude verstärken. Die CWG will außerdem interne Maßnahmen ergreifen, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

Flüchtlinge arbeiten für die Gemeinschaft

Gegenwärtig leben in Crimmitschau rund 130 Flüchtlinge und Asylbewerber, sie sind alle dezentral in Wohnungen der CWG untergebracht. Sieben von diesen Menschen sind seit Montag für die Stadt mit gemeinnützigen Tätigkeiten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz tätig. Die sieben Männer, vorrangig Familienväter aus Syrien, Afghanistan, Albanien und dem Kosovo, werden Pflege- und Verschönerungsarbeiten für die Stadt durchführen. Zwei von ihnen helfen bei der Winterfestmachung in den beiden städtischen Freibädern, fünf werden im städtischen Bauhof eingesetzt. Die Männer werden 20 Stunden in der Woche arbeiten, jeweils vier Stunden pro Tag. Sie alle hatten sich bereits vor vielen Wochen freiwillig für diese Tätigkeit gemeldet, informiert die Stadtverwaltung weiter. Für ihre gemeinnützige Arbeit erhalten sie 1,05 Euro pro Stunde. Das Geld kommt vom Landkreis Zwickau.

Der Stadt Crimmitschau entstehen nur vorübergehend Sachkosten beispielsweise für Arbeitsschutzbekleidung, die zu gegebener Zeit aus Landesmitteln ausgeglichen werden. Bei der Maßnahme handelt es sich um ein Modellprojekt des Landkreises Zwickau, das zunächst bis zum 11. Dezember dieses Jahres befristet ist. Oberbürgermeister Holm Günther hatte sich schon seit Monaten stark gemacht für eine Beschäftigung der auf einen Aufenthaltstitel wartenden Asylbewerber. Crimmitschau hatte bis zum Sommer rund 100 Flüchtlinge und Asylbewerber, vor allem Familien mit Kindern, aufgenommen. Im September hatte der Landkreis um die Aufnahme von weiteren 100 Personen gebeten. Der Oberbürgermeister hatte sich bereit erklärt, insgesamt 150 weitere Personen in der Stadt aufzunehmen.

Quelle: Jana Borath/ Ostthüringer Zeitung/ Mittwoch, 14.10.2015.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • Google Bookmarks
  • MySpace
  • email