Anschlag auf Asylunterkunft

Asyl Tageszeitung „Freie Presse“ vom 13. November 2015

Auf die Crimmitschauer Unterkunft für Flüchtlinge ist gestern ein Brandsatz geworfen worden. Die Bewohner entgingen nur knapp einer Katastrophe.

Crimmitschau. Rußschwarze Wände und Fenster im Erdgeschoss und eine zersplitterte Scheibe, dazu ein zersprungener Blumenkübel: Die Spuren eines Brandanschlags, der in der Nacht zu Donnerstag auf das Crimmitschauer Asylbewerberwohnhaus verübt worden ist, waren gestern vor dem Gebäude an der Leipziger Straße noch weithin sichtbar. Wie die Polizeidirektion Zwickau mitteilte, war gegen 3 Uhr ein Brandsatz gegen die Hauswand geworfen worden, der von selbst erloschen sei. Ob die aufgebrochene Haustür auf das Konto der gleichen Täter geht, war gestern noch unklar.

Die laut Crimmitschaus Oberbürgermeister Holm Günther (Für Crimmitschau) durch einen Wachmann alarmierten Beamten konnten in der Folge mehrere, teils stark alkoholisierte Tatverdächtige ermitteln, bei denen es sich laut Günther um „Bürger unserer Stadt“ handele. Gegen einen von ihnen, der die Polizisten angegriffen haben soll, musste Pfefferspray eingesetzt werden. Wie Polizeisprecherin Anett Münster weiter informierte, seien „einige Tatverdächtige“ festgenommen worden. Laut Klaus Kocks, Sprecher von European Homecare, der Betreiberfirma der Unterkunft, entgingen die 40 Erwachsenen und 17 Kinder im Haus knapp einer Katastrophe. „Hier ist jeder Spielraum verloren, das ist kein symbolischer Akt“, sagte er gegenüber der „Freien Presse“. Die Täter hätten versucht, „Menschen in Brand zu stecken“.

Die seinen Angaben zufolge maskierten Tatverdächtigen, bei denen von der Polizei später Material zur Herstellung von Molotowcocktails sichergestellt worden sein soll, seien nach Kocks‘ Aussage einem „einschlägigen politischen Milieu“ zuzuordnen und polizeibekannt – Angaben, die die Ermittler auf Nachfrage nicht bestätigen wollten. Kocks sprach indes von „braunem Terror“. Während die Beamten des für rechtsextremistische Straftaten zuständigen Operativen Abwehrzentrums (OAZ) am Vormittag mit Kollegen der Polizeidirektion Zwickau den Tatort untersuchten, hatten manche Gewerbetreibende aus der Umgebung von dem Anschlag noch nichts mitbekommen. „Ich habe nichts bemerkt. Bislang gab es keine Probleme“, sagte etwa die Mitarbeiterin eines Gardinengeschäfts.

„Bitte lassen Sie nicht zu, dass – bei aller Unterschiedlichkeit der Meinungen zum Thema Asylbewerber – Menschenleben in Gefahr gebracht werden oder die Menschenwürde mit Füßen getreten wird“, mahnte indes Oberbürgermeister Günther am Abend vor dem Stadtrat, während in der Laurentiuskirche ein bereits vor der Tat geplantes Friedensgebet stattfand.

Quelle: Michael Kunze/ Freie Presse/ Freitag, 13.11.2015.

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