Neonazi Tony Gerber

»Freie Kräfte« Magazin „Frontal21″ vom 4. November 2014

Vor einem Jahr berichtete das ZDF über das „Aushängeschild der Identitären Bewegung in Sachsen“. Heute ist Gerber Mitorganisator asylfeindlicher Demos und Dialogpartner der OB.

Köln vor wenigen Tagen. 4800 Hooligans und Rechtsextremisten randalieren gegen Salafisten und eine angebliche Überfremdung Deutschlands durch Muslime. Ganz vorne mit dabei: Demonstranten mit der Losung „Heimat, Freiheit, Tradition“. Sie nennen sich „Die Identitäre Bewegung“. (…) Die Spuren der Identitären führen auch nach Sachsen. Hier ist Tony G. ein Aushängeschild der Bewegung. (…) Der Mann aus Zwickau trainiert Kameraden und – das belegen Polizeiakten – kommt aus dem Umfeld eines bundesweit bekannten Rechtsextremisten: André E. Der steht als mutmaßlicher Helfer des NSU, des Nationalsozialistischen Untergrundes, in München vor Gericht.

Auf einer Festplatte des mutmaßlichen NSU-Unterstützers fanden die Ermittler ein Redemanuskript von Tony G.: „Wir brauchen keine Demokratie und keinen hebräischen Judenbengel als guten Hirten …Vermöge der Jud den Wind, den er säte, nun als Sturm ernten! Der Stahl harrt auch in meiner Hand!!! Heil Euch Kameraden…“ Dazu wollen wir den Kampfsportler befragen. Er öffnet nicht. Schriftliche Anfragen bleiben unbeantwortet.

In Zwickau finden wir den Boxkeller aus dem Werbevideo. Ein Übungsleiter des örtlichen Sportvereins hatte den Identitären den Raum überlassen. Der Vereinsvorsitzende ist entsetzt. O-Ton Frank Hirmer, Vorsitzender KSSV Zwickau: „Ich war zu gutgläubig zu dem Übungsleiter hin, ja, und hab eben gedacht: Na ja, okay, das sind ein paar Kumpels von ihm, der ist Türsteher. – Also, Ich bin übern Tisch gezogen worden. “ (…)

Zuspruch für den rechten Boxtrainer Tony G. kommt auch von Jan Zwerg. Der ist Vorstandsmitglied der rechtspopulistischen AfD im Erzgebirge. Auf der Facebookseite der Identitären lobt der AfD-Politiker Tony G.s Kampfkurse und dessen Wehrhaftigkeit – nicht die einzige Gemeinsamkeit. O-Ton Kerstin Köditz, DIE LINKE, MdL Sachsen: „Wenn ich mir Formulierungen der Identitären angucke und parallel dazu in das Landtagswahlprogramm der AfD zum Beispiel in Sachsen schaue, wo Identität ein eigenes Kapitel hat, da ist doch die Schnittmenge von vorne herein schon gegeben. “

Gestern Abend in Dresden. Identitäre, AfD-Sympathisanten und andere rechte Gruppen haben seit Wochen mobilisiert. Rund Eintausend sind gekommen. O-Ton Kundgebung: „Bewahrung und Schutz unserer Identität und unserer christlich-jüdischen Abendland-Kultur. “ Die Angst vor Flüchtlingen oder der Hass auf Muslime eint das politische Spektrum – von rechts bis ganz rechts. O-Ton Kundgebung: „Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! “

Quelle: Arndt Ginzel und Ulrich Stoll/ Magazin Frontal21/ Sendung vom 4. November 2014/ Beitrag: Rechts oder rechtsextrem – Die neue Bewegung der Identitären.

Aus der Frontal21-Antwort zu einer Stellungnahme der „Identitären Bewegung Deutschland“ (IBD):

(…) Bereits 2012 setzte sich unter anderem das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen (LfV) mit den Argumenten der Identitären Bewegung auseinander. Das LfV Sachsen kommt demnach zu der Auffassung, dass der von der Bewegung verwendete Begriff „Identität“ eine „biologisch dominierte Komponente“ beinhalte, „so dass rassistische Argumentationen immanent sind“. Weiter heißt es: Diese weiche von der Selbstverortung der IBD als „nicht rassistisch“ ab. Der Düsseldorfer Sozialwissenschaftler und Rechtsextremismus-Experte Alexander Häusler wies ebenfalls darauf hin, dass das Gedankengut der IB „ein neues Label für alte Inhalte“ aus der rechten Szene sei. Die Identitären seien eindeutig rassistisch, islamfeindlich und völkisch eingestellt. (…)

Der Beitrag behauptet nicht, dass Tony G. Kontakte zum NSU unterhalten habe. Frontal21 behauptet aber, dass eine von Tony G. verfasste Hetzrede auf dem Rechner des im Münchner NSU- Prozess angeklagten mutmaßlichen NSU-Unterstützers Andre E. gefunden wurde. Der im Frontal21-Beitrag zitierte Text stammt von Tony G., das hat er selbst in einer Vernehmung durch das Bundeskriminalamt (BKA) eingeräumt. Zudem dokumentieren die Akten des Bundeskriminalamtes enge Kontakte zwischen Tony G. und dem mutmaßlichen NSU-Unterstützer Andre E., was ebenfalls von Herrn G. nicht bestritten wurde. In den Ermittlungsakten des BKA finden sich darüber hinaus auch die im offenen Brief bestrittenen „Kontakte ins braune Lager“. So heißt es, Tony G. sei „aktiv im Zusammenhang mit den Nationalen Sozialisten Zwickau in Erscheinung“ getreten. Strafrechtlich haben ihn Ermittlungsbehörden zudem „wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ erfasst.

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