Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Pegida-Sympathisantin eröffnet Demokratie-Tage

Termine Tageszeitung „Freie Presse“ vom 2. April 2015

Vera Lengsfeld: „Von Pegida hört man differenzierende Standpunkte, die man bei Politik und Medien so schmerzlich vermisst.“

Vera Lengsfeld (62), streitbare Autorin und Publizistin, wird am Montag, 13. April, in Zwickau die Tage der Demokratie und Toleranz in der Region mit einem Vortrag eröffnen. „Wir haben sie eingeladen, weil sie streitbare Fragen in die Diskussion einbringt“, sagt die Koordinatorin der Demokratietage, Gundula Schubert. „Es war für uns kein Ausschlusskriterium, dass die Frage im Raum steht, wie nahe Frau Lengsfeld der Pegida-Bewegung steht.“ Der Beirat des Demokratiebündnisses habe der Einladung der ehemaligen Bürgerrechtlerin zugestimmt. „Sie hat es damals miterlebt, wie Demokratie erkämpft wurde“, sagt Schubert. Sie könne Impulse geben, wie Demokratie derzeit genutzt werde. Lengsfeld gilt als der Alternative für Deutschland (AfD) nahestehend und publiziert regelmäßig auf der Internetplattformen Freiewelt.net, die ebenfalls dem Umfeld der AfD zugerechnet wird. Das könnte für Zündstoff sorgen, denn die AfD ist derzeit nicht als Mitglied oder Kooperationspartner im Demokratiebündnis aktiv. (mehr…)

Hakenkreuze im Treppenhaus

Chronik Television Zwickau vom 8. September 2014

Zwickau-Neuplanitz – Mit Empörung reagierten Anwohner der Hochhäuser auf der Neuplanitzer Straße, als sie am Samstagmorgen ihr Fahrstühle und Treppenaufgänge zu Gesicht bekamen. Unbekannte Schmierfinken hatten in der Zeit von 3 bis 7 Uhr die Wände mit fremdenfeindlichen Parolen und Hakenkreuzen verunstaltet. Nachdem der Sachverhalt durch die Polizei aufgenommen war, machten sie sich gemeinsam mit dem Vermieter sofort ans Werk, die Schmierereien zu entfernen. Der Schaden wird auf ungefähr 250 Euro geschätzt. (mehr…)

Asylbewerber: Keine Kommune hat ein Haus übrig

Chronik Tageszeitung „Freie Presse“ vom 6. November 2013

14 Städte und 19 Gemeinden bilden den Landkreis Zwickau. Für die geplante dritte Sammelunterkunft will oder kann keine eine Immobilie zur Verfügung stellen.

Zwickau – Der Landkreis Zwickau sucht ein Haus mit etwa 100 bis 150 Plätzen, das als zusätzliche Sammelunterkunft für Asylbewerber dienen kann. Von den 14 Städten und 19 Gemeinden im Landkreis gab es schon mal eine Absage – keine einzige Kommune habe ein geeignetes Objekt zur Verfügung, erhielt der Landrat als Antwort auf Nachfrage bei den Bürgermeistern. Einige haben laut Informationen der „Freien Presse“ gar nicht erst geantwortet. Mülsens Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) sagte in der Gemeinderatssitzung am Montagabend sogar, dass es keine Anfrage gegeben habe. Entgegenkommen zeigten zumindest Werdau und Zwickau – sie haben auf insgesamt drei eventuell geeignete Immobilien in ihren Städten hingewiesen. Sie befinden sich jedoch in Privatbesitz. „Damit war allerdings weder eine Prüfung noch eine ausdrückliche Befürwortung verbunden“, sagte Mathias Merz, Sprecher der Zwickauer Stadtverwaltung. Um welche Immobilien es sich handelt, blieb vertraulich. Die Stadt Werdau teilte mit, dass das dortige Heim voll ist. „Sollte es zu einer weiteren Aufstockung kommen, könnte diese nur im unmittelbaren Umfeld der bestehenden Einrichtung sein“, sagte Sprecher André Kleber. Der Betreiber des Werdauer Heimes habe deshalb schon Kontakt zu Wohnungsvermietern aufgenommen. (mehr…)

Asylbewerber: Kreis Zwickau setzt weiter auf Heime

Chronik Tageszeitung „Freie Presse“ vom 5. Oktober 2013

Bis Ende 2014 wird sich die Zahl der Flüchtlinge verdoppeln. Für deren Unterbringung setzt das Landratsamt weiter auf Sammelunterkünfte. Trotz jüngster Vorfälle und breiter Kritik.

Zwickau – Rund 650 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis Zwickau. Unter anderem wegen der anhaltenden Flüchtlingsströme aus Syrien, wo nach wie vor Bürgerkrieg herrscht, rechnet man im Landratsamt bis Ende 2014 mit etwa 960 Asylbewerbern, für die eine Unterkunft bereitzustellen ist. In den beiden Wohnheimen in Werdau und Zwickau gibt es nach der jüngsten Erweiterung 555 Plätze. Um die zu erwartenden Flüchtlinge unterzubringen, sucht das Landratsamt noch bis 19. November mittels Ausschreibung ein drittes Wohnheim mit 100 bis 150 Plätzen.

Die Unterbringung in Wohnheimen ist allerdings umstritten. Sechs Quadratmeter Wohnraum stehen einem Asylbewerber zu. Sie dürfen in der Regel nicht arbeiten und Sachsen nicht verlassen. Die Situation in den Sammelunterkünften gewährleiste „keinen Schutz der Intimsphäre, der Gesundheit und des Wohls der Flüchtlinge. Auf engstem Raum wohnen Menschen mit verschiedenen Fluchtgeschichten und zum Teil traumatischen Erfahrungen. Auch kulturelle und religiöse Differenzen und Sprachbarrieren erschweren den Bewohnern das unfreiwillige Zusammenleben“, moniert der sächsische Flüchtlingsrat. Eine langfristige Unterbringung in Asylbewerberheimen könne zu psychischen Krankheiten führen und sei Nährboden für Alkoholismus und Kriminalität, sagt die Ausländerbeauftragte des Landkreises, Birgit Riedel. (mehr…)

Vom Werwolf zum V-Mann

Zwickauer Zelle Tageszeitung „Freie Presse“ vom 29. April 2013

Die seltsame Nähe deutscher Geheimdienste zur Alt- und Neonazi-Szene: Wie SS- und Gestapo-Personal im Dienst der jungen BRD landete, wie man Neonazis zu Untergrund-Guerillas ausbildete und danach die Neonazi-Szene mit V-Leuten durchzog.

Chemnitz – Immer länger wird die Liste der V-Leute, die nichts pfiffen. Zumindest nichts, was zur Ergreifung der Terroristen im Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) führte. „Otto“, „Hagel“, „Corelli“, „Primus“, „Tristan“, „Tusche“ und viele mehr sollten für Geheimdienste im Umfeld des Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe spitzeln.

Im Thüringer Heimatschutz, jenem Neonazi-Sammelbecken, in dem auch die Kameradschaft des Jenaer Trios aktiv war, gaben sich V-Leute des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) und verschiedener Landesämter die Klinke in die Hand. Selbst der Gründer dieser Wiege des NSU, Rechtsextremist Tino Brandt, war V-Mann. Unter den Quellen-Namen „Otto“ und „Oskar“ gab er nach Abtauchen des Trios viele Hinweise ans Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz (LfV). Doch nur solche, die es nie zuließen, den Dreien auf die Spur zu kommen. Und keiner gab Tipps, die bundesweite Mordserie mit dem Trio in Verbindung zu bringen. Wusste davon wirklich niemand in der Szene? Oder hielten V-Leute nur gut dicht? (mehr…)

Geringere Strafe für Schläger

Chronik Tageszeitung „Freie Presse“ vom 9. April 2013

Knapp drei Jahre nach dem Überfall auf ein Familienfest in Meerane: Im Berufungsprozess gegen einen Rechtsextremen plädieren Verteidiger und Staatsanwalt auf Bewährung statt Gefängnis

Meerane. Wie angekündigt haben Staatsanwalt Jörg Rzehak und Strafverteidiger Uwe Hoffmann am Dienstag für eine Abmilderung des Urteils gegen Felix S. plädiert. Der 22-jährige Angeklagte war an dem Angriff einer Gruppe Rechtsextremer auf eine Familienfeier auf dem Merzenberg in Meerane Ende August 2010 beteiligt. Vom Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal war er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Bei dem Berufungsprozess vor dem Zwickauer Landgericht, der am Montag begonnen hat, forderten Rzehak und Hoffman nun eine Reduzierung der Strafe auf ein Jahr und sechs Monate – auf Bewährung. Der Tatvorwurf gegen den Mann ist derselbe geblieben: Er hatte gestanden, zwei Gäste der privaten Feier verprügelt zu haben. Einem damals 27-Jährigen schlug er mit der Faust ins Gesicht, sodass ihm die Lippe aufplatzte. Der Geschädigte sagte jedoch vor dem Amtsgericht, er könne sich an nichts erinnern und hätte auch gar keine Lust auszusagen. (mehr…)

Rassismus-Vorwurf hallt nach

Fussball Tageszeitung „Freie Presse“ vom 19. Januar 2013

Kreisliga: Fußballer Isaguito Giehler und sein Verein haben sich öffentlich gegen Beleidigungen gewehrt. Ähnliche Erfahrungen machten die Kicker von Marienthal United 08.

Zwickau – Marienthal United 08, ein Fußballverein, der in der zweiten Kreisklasse spielt, hat sich aus Trotz gegründet: „Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Diskriminierung und Sexismus beherrschen nicht selten die Szenerie in den unteren wie oberen Spielklassen“, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Linke. Der Verein will sich als Alternative dazu verstanden wissen und gab sich passend zur Spielkleidung das Motto: „Lieber Braun tragen, als Braun denken.“ „Wegschauen und schweigen stärkt die Täter und hilft nicht weiter“, sagt René Hahn, Mitglied von Marienthal United und Stadtrat. „Deshalb haben wir entschieden, unsere Solidarität zu bekunden und Isaguito Giehler und die SG 48 Schönfels zu einem Freundschaftsspiel einzuladen.“ (mehr…)

Wenn Fußball ins Abseits gerät

Fussball Tageszeitung „Freie Presse“ vom 11. Dezember 2012

Rassismus auf und neben dem Platz gibt es auch in der Kreisliga – gesprochen wird darüber kaum. Die SG Schönfels geht voran.

Zwickau – Es ist einer der letzten Spieltage der Kreisliga-Hinrunde. Die Mannschaft von Isaquito Giehler hat ihr Auswärtsspiel knapp verloren. Dennoch geht der Stürmer nach der Partie zum Kapitän des Gegners, um mit ihm abzuklatschen – die Fußballer sind nur während der 90 Wettkampfminuten Rivalen. So sollte es zumindest sein. Doch zum Abklatschen kommt es nicht. Ein Dritter mischt sich ein, ruft: „Verpiss dich, du Bimbo.“ Mit so einem wie dem Stürmer von der SG 48 Schönfels, einem Schwarzen, klatsche man doch nicht ab. Es kommt zum Tumult. Giehler will, dass der Schiedsrichter die Beleidigung des Mannes, der das Spiel von der Bank aus verfolgt hatte, im Spielberichtsbogen einträgt. Doch der hat es nicht gehört. Wie auch sonst niemand, der nicht die grün-weißen Farben der Schönfelser trägt. (mehr…)

Kleinstadt gratuliert NS-Kriegsverbrecher

Chronik Tageszeitung „Freie Presse“ vom 12. März 2012

Die Stadt Kirchberg im Süden von Zwickau gratuliert einem Nazi-Kriegsverbrecher in ihrem Amtsblatt zum Geburtstag. Der Bürgermeister verweist auf das Gleichbehandlungsprinzip.

Kirchberg – Algimantas Dailide wird heute 91 Jahre alt. Die Stadt Kirchberg hat seinem wohl umstrittensten Einwohner im Amtsblatt dazu beglückwünscht – in einer Reihe mit anderen Bürgern der Stadt. Genau das stieß jetzt einem Kirchberger sauer auf, der die „Freie Presse“ darauf aufmerksam gemacht hat, aber anonym bleiben will. Dailide stand viele Jahre beim Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem auf der Liste der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher. Gut ein halbes Jahrhundert lebte der gebürtige Litauer unbehelligt in den USA, verlor seine Staatsbürgerschaft und wohnt seit 2003 in Kirchberg. Nur einmal fuhr Dailide in seine litauische Heimat. Das war 2006. Dort stellte er sich der Justiz, wurde als Kriegsverbrecher zu fünf Jahren Haft verurteilt, musste die Strafe aber wegen seines Alters und Gesundheitszustandes nicht antreten. (mehr…)

Angriff von Rechtsaußen

Termin Buchlesung am Freitagabend im Fanprojekt: Wie Neonazis den Fußball missbrauchen

„Fußball kann durch sein Regelwerk mit Befehl, Gehorsam und Strafe Ideologien der Ungleichwertigkeit wie Identitätsdenken, Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Sexismus verstärken.“

Wer sich in der Republik umhört, unter Funktionären, Schiedsrichtern, Trainern, der hört die immer gleichen Antworten: „So etwas gibt es bei uns nicht.“ „Bei uns ist es zuletzt ruhig geblieben.“ „Wir haben zwar Glatzen im Stadion, aber die lassen die Politik draußen.“ „Die Anfeindungen gegen schwarze Spieler sind stark zurückgegangen.“ Noch immer dominiert die Wahrnehmung: Rechtsextremismus könne nur gefährlich sein, wenn es zu Rassismus auf den Rängen kommt, wenn Spieler antisemitisch geschmäht werden, wenn die NPD vor dem Stadion ihre Wahlprogramme verteilt. (mehr…)